SanDisk: Von 36 auf 1.740 Dollar in 19 Monaten — die Aktie, an der der Speicherboom hängt
Als Western Digital im Februar 2025 sein Flash-Speichergeschäft abspaltete, wollte es kaum jemand haben. Die neue SanDisk-Aktie startete bei 36 Dollar und fiel bis April auf 29,62 Dollar. Heute, 19 Monate später, kostet sie rund 1.743 Dollar — das 48-Fache. Seit Jahresanfang liegt sie 634 Prozent im Plus, mehr als jede andere Aktie im S&P 500, in den sie erst im November aufgenommen wurde. Seit dem 21. September gehört sie sogar zum S&P 100 der größten US-Konzerne.
Und doch steht sie 25 Prozent unter ihrem Hoch von 2.335 Dollar vom Juni. Beides gehört zusammen: SanDisk ist die reinste Wette auf NAND-Flash-Speicher, die es an einer US-Börse gibt — und damit auf die Frage, wie lange die Knappheit anhält, die KI-Rechenzentren ausgelöst haben. Ein Blick auf die Zahlen, die Verträge und das, was der Markt jetzt einpreist.
Was SanDisk verdient — und woher es kommt
SanDisk stellt NAND-Flash-Speicher her, den Speicher, der in SSDs, Smartphones und Speicherkarten steckt. Die Chips kommen aus Fabriken in Japan, die SanDisk gemeinsam mit Kioxia betreibt; rund 40 Prozent der Produktion gehen an SanDisk, 60 Prozent an den japanischen Partner (mehr dazu in unserem Kioxia-Beitrag). Das Geschäftsjahr endet Anfang Juli, die letzten Zahlen stammen vom 5. August:
| SanDisk, April bis Juli 2026 (4. Geschäftsquartal) | Wert | Veränderung |
|---|---|---|
| Umsatz | 8,97 Mrd. $ | +51 % zum Vorquartal |
| davon Rechenzentren | 2,98 Mrd. $ | +103 % zum Vorquartal |
| Nettogewinn | 6,90 Mrd. $ | |
| Gewinn je Aktie (bereinigt) | 39,25 $ | Prognose war 30 bis 33 $ |
| Umsatz Geschäftsjahr 2026 | 20,25 Mrd. $ | +175 % |
| Nettogewinn Geschäftsjahr 2026 | 11,43 Mrd. $ |
Zwei Drittel des Umsatzsprungs im Quartal kamen laut SanDisk aus höheren Preisen, ein Drittel aus mehr Menge. Das Rechenzentrumsgeschäft, vor einem Jahr ein kleiner Posten, wuchs im Gesamtjahr um 437 Prozent und stellt inzwischen ein Drittel des Umsatzes. Der Konzern verdient 6,9 Milliarden Dollar in einem Quartal — mehr als das gesamte Unternehmen bei der Abspaltung an der Börse wert war.
Warum die Aktie seit Juni fällt
Der Grund ist derselbe wie bei Kioxia: Der Rekord war nicht groß genug. Für das laufende Quartal (bis Anfang Oktober) stellte SanDisk 10,3 bis 10,8 Milliarden Dollar Umsatz und 44 bis 46 Dollar Gewinn je Aktie in Aussicht. Analysten hatten mit 11,2 Milliarden gerechnet. Das Wachstum geht weiter — aber langsamer, und genau darauf reagiert eine Aktie, die sich in einem halben Jahr fast verzehnfacht hatte. Dazu kommen die Preisdaten: Die Marktforscher von TrendForce erwarten für das vierte Quartal einen Anstieg der NAND-Vertragspreise um 15 bis 20 Prozent, bei Rechenzentrums-SSDs 23 bis 28 Prozent, während die Preise für Smartphone-Speicher stagnieren. Nach Sprüngen von über 30 Prozent je Quartal zu Jahresbeginn ist das eine Verlangsamung, keine Wende.
Die Verträge, die den Unterschied machen sollen
Was SanDisk von früheren Speicherzyklen unterscheiden soll, sind langfristige Lieferverträge. Der Konzern nennt sie „New Business Model“: Kunden sichern sich Mengen über mehrere Jahre und akzeptieren dafür Preisregeln. Nach Unternehmensangaben sind zehn solcher Verträge abgeschlossen, laut Berichten mit einem Volumen von zusammen mindestens 94 Milliarden Dollar. Die Bank Bernstein, die ihr Kursziel deshalb von 1.700 auf 3.000 Dollar anhob, schätzt, dass die Verträge einen Mindestpreis von rund 0,29 Dollar je Gigabyte enthalten. Sollte das stimmen, wäre es ein Boden unter dem Gewinn, den es in der Branche bisher nicht gab. Prüfen lässt es sich von außen nicht — die Vertragsdetails sind nicht öffentlich.
Dazu kommen drei Weichenstellungen mit Kioxia in diesem Jahr: Die Gemeinschaftsfabriken laufen jetzt bis 2034 statt 2029, SanDisk zahlt dafür 1,165 Milliarden Dollar; im Juli begann die Produktion der zehnten Chipgeneration im neuen Werk Kitakami; und im August kündigten beide an, in sechs Jahren mehr als 31 Milliarden Dollar in Japan zu investieren. Das sichert Nachschub — und ist zugleich das klassische Muster, mit dem Speicherzyklen enden: Alle bauen aus, bis das Angebot die Nachfrage überholt.
Die dritte Wette heißt High Bandwidth Flash: eine neue Speicherklasse zwischen dem teuren HBM-Speicher der KI-Chips und normalen SSDs, für die SanDisk und SK hynix im August eine erste offene Spezifikation veröffentlicht haben; Google ist dem Konsortium beigetreten. Umsatz bringt das noch nicht. Es ist der Versuch, im KI-Zeitalter mehr zu sein als ein Rohstofflieferant.
Wer die Aktie hält
Die auffälligste Adresse haben wir im August beschrieben: Der Fonds Situational Awareness von Leopold Aschenbrenner hielt zum 30. Juni SanDisk-Aktien im Wert von 5,7 Milliarden Dollar, rund 28 Prozent seines Portfolios und damit seine größte Position — Teil einer Wette, dass Speicher der Engpass der KI-Entwicklung wird (zum Beitrag). Western Digital, das nach der Abspaltung 19,9 Prozent behalten hatte, hat seine Beteiligung dagegen schrittweise abgebaut, unter anderem in einer Platzierung zu rund 545 Dollar je Aktie. Von den 25 Analysten, die S&P Global zählt, raten 21 zum Kauf; das mittlere Kursziel liegt bei 2.137 Dollar, die Bank of America nennt 2.500, die Spanne reicht von 1.000 bis 3.600.
Was die Aktie kostet
Mit rund 155 Millionen Aktien ist SanDisk an der Börse etwa 270 Milliarden Dollar wert. Auf den Gewinn des abgelaufenen Geschäftsjahres (70,88 Dollar je Aktie bereinigt) ist das das 25-Fache; rechnet man die Prognose für das laufende Quartal aufs Jahr hoch, das Zehnfache. Diese Spanne ist das Kernproblem jeder Bewertung von Speicherherstellern: Der Markt weiß nicht, welcher Gewinn der normale ist. Zum Vergleich haben wir die vier großen Werte nebeneinandergestellt:
| Seit Jahresanfang | Kurs | Veränderung | vom Hoch |
|---|---|---|---|
| SanDisk | 1.743 $ | +634 % | −25 % |
| Kioxia (Japan) | 17.880 ¥ | +414 % | −51 % |
| Micron | 1.073 $ | +276 % | −12 % |
| Western Digital (Festplatten) | 455 $ | +164 % | −39 % |
Was der Optionsmarkt erwartet
Für den Verfall am 18. Dezember — nach den nächsten Quartalszahlen, die SanDisk voraussichtlich Anfang November vorlegt — preisen die Optionen eine Bewegung von rund ±26 Prozent ein:
| Verfall 18. Dezember | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|
| über dem Hoch von 2.335 $ | 15,6 % |
| über 2.000 $ | 28,9 % |
| unter 1.500 $ | 38,1 % |
| unter 1.300 $ (rund −25 %) | 23,2 % |
Kurzfristig zählt ein anderer Termin: Am Mittwochabend legt Micron Zahlen vor, und dessen Ausblick auf Preise und Nachfrage im Rechenzentrum bewegt am Donnerstag auch SanDisk. Für Micron allein preisen die Optionen bis Freitag ±8,5 Prozent ein (Wochenausblick).
Einordnung
SanDisk ist die Aktie, die zeigt, was passiert, wenn ein zyklisches Geschäft auf eine strukturelle Nachfrage trifft: 20 Milliarden Dollar Umsatz statt 7, ein Nettogewinn, der in einem Quartal den alten Börsenwert übersteigt, und eine Aktie, die sich verachtundvierzigfacht hat. Die Frage ist nicht, ob die Zahlen echt sind — sie sind es. Die Frage ist, ob die langfristigen Verträge das halten, was sie versprechen: dass diesmal auf die Knappheit kein Preisverfall folgt. Der Markt bezahlt dafür derzeit das Zehnfache des laufenden Gewinns und lässt 25 Prozent vom Hoch ab — er glaubt es zur Hälfte. Die nächsten Antworten kommen von Micron am Mittwoch und von SanDisk selbst im November.
Quellen: Quartals- und Jahreszahlen laut Mitteilung von SanDisk vom 5. August und SEC-Meldung; Analystenerwartung zur Prognose via Yahoo Finance; Abspaltung laut Meldung von Western Digital; Gemeinschaftsunternehmen laut SanDisk (Verlängerung), SanDisk (Kitakami) und SanDisk (Investition); High Bandwidth Flash laut SanDisk; Preisprognose laut TrendForce; Kursziele und Vertragsvolumen via StockAnalysis und Forbes; Indexaufnahmen via Sherwood und unseren Wochenausblick vom 20. September; Fondsposition aus unserem 13F-Beitrag. Börsenwert, Bewertung, Vergleiche, Kurse, Kursverlauf und die aus Optionspreisen abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten sind eigene Berechnungen aus diesen Angaben und unseren Kursdaten, Stand 29. September 2026 (früher US-Handel; Kioxia Schluss in Tokio).
Keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Die Kurse vom 29. September stammen aus dem laufenden Handel und können sich bis zum Schluss ändern. Angaben zu Vertragsvolumen und Mindestpreisen beruhen auf Berichten und Analystenschätzungen, nicht auf veröffentlichten Verträgen. Aus Optionspreisen abgeleitete Wahrscheinlichkeiten sind Marktpreise und keine Prognosen. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 29. September 2026.