Grafik: Aufteilung des 20,5-Milliarden-Dollar-Portfolios von Situational Awareness LP — 55 Prozent Speicherchips

Der 20-Milliarden-Dollar-Wetteinsatz auf AGI: So ist Leopold Aschenbrenners Fonds jetzt positioniert

14. August 2026 · marktradar Beiträge

Leopold Aschenbrenner wurde 2024 über Nacht bekannt, als der damals 22-jährige Ex-OpenAI-Forscher sein Essay „Situational Awareness" veröffentlichte — eine 165-seitige These, dass künstliche Superintelligenz noch in diesem Jahrzehnt kommt und wer das ernst nimmt, entsprechend investieren sollte. Er nahm sich selbst beim Wort und gründete einen Hedgefonds gleichen Namens. Jetzt liegt das aktuelle 13F-Filing vor — der vierteljährliche Pflichtbericht an die US-Börsenaufsicht, in dem große Fonds ihre US-Aktienpositionen offenlegen müssen. Es zeigt den Stand zum Ende des zweiten Quartals: ein Portfolio von rund 20,5 Milliarden Dollar, verteilt auf 23 Positionen — und eine bemerkenswert kompromisslose Wette.

Die Hälfte des Portfolios steckt in Speicherchips

Wer Streuung erwartet, wird enttäuscht. Die zwei größten Positionen machen zusammen über die Hälfte des Portfolios aus — und beide sind dieselbe Wette in zwei Ausführungen:

PositionWertAnteil
SanDisk (NAND-Flash)5,7 Mrd. $~28 %
Micron (DRAM/HBM)5,6 Mrd. $~27 %
Bloom Energy (Brennstoffzellen)1,9 Mrd. $~9 %
Taiwan Semiconductor1,3 Mrd. $~6 %
Nebius Group (AI-Cloud)1,2 Mrd. $~6 %

Die Logik dahinter: KI-Rechenzentren verschlingen nicht nur Grafikchips, sondern vor allem Speicher — High-Bandwidth-Memory für die Beschleuniger, NAND-Flash für die gigantischen Datenmengen. Während alle Welt auf Nvidia schaut, positioniert sich Aschenbrenner eine Etage tiefer in der Lieferkette, wo die Kapazität knapp und die Preissetzungsmacht entsprechend groß ist.

Das zweite Thema: Strom ist der neue Engpass

Auffällig ist der Energie-Block: Bloom Energy als drittgrößte Position (plus zusätzliche Call-Optionen auf über 14 Millionen Aktien), dazu Babcock & Wilcox, T1 Energy, Solaris Energy und ProPetro — zusammen gut zwei Milliarden Dollar. Die These: Nicht Chips, sondern Stromanschlüsse werden zum limitierenden Faktor des KI-Ausbaus.

In dieselbe Kerbe schlägt der vielleicht originellste Teil des Portfolios: ein ganzes Bündel ehemaliger Bitcoin-Miner — Core Scientific, Riot Platforms, IREN, CleanSpark, Applied Digital, Bitdeer, Hive. Zusammen rund 2,5 Milliarden Dollar. Was diese Firmen wertvoll macht, sind nicht ihre Mining-Rigs, sondern ihre gesicherten Netzanschlüsse und Rechenzentrumsflächen — Infrastruktur, die sich auf KI-Workloads umrüsten lässt. Aschenbrenner kauft hier gewissermaßen Stromkapazität mit Börsenticker.

Die Gegenwette: Puts auf Infosys

Fast noch interessanter als das, worauf der Fonds setzt, ist das, wogegen er wettet: 500.000 Put-Kontrakte auf Infosys, den indischen IT-Outsourcing-Riesen. Die Botschaft ist unmissverständlich — wenn KI-Agenten Routineaufgaben in der Softwareentwicklung und IT-Administration übernehmen, trifft das zuerst das Geschäftsmodell der klassischen IT-Dienstleister. Es ist die konsequente Kehrseite der eigenen These: Wer glaubt, dass KI Arbeit automatisiert, muss auch benennen, wessen Arbeit.

Einordnung

Ein 13F ist eine Momentaufnahme mit Verfallsdatum: Stichtag war das Quartalsende, veröffentlicht wird mit bis zu 45 Tagen Verzögerung — die Positionen können sich längst geändert haben. Nicht sichtbar sind zudem Cash-Quoten, Leerverkäufe und Auslandspositionen, die nicht meldepflichtig sind. Und die Konzentration ist beachtlich: Ein Portfolio, das zur Hälfte am Speicherzyklus hängt, kennt auch heftige Gegenbewegungen — der Speichermarkt ist historisch einer der zyklischsten überhaupt.

Trotzdem ist das Filing lesenswert wie kaum ein zweites: Es ist der seltene Fall, in dem jemand eine große Makro-These — „AGI kommt, und zwar bald" — ohne Verwässerung in ein Portfolio übersetzt. Speicher, Strom, Rechenzentren, und eine Wette gegen die Verlierer der Automatisierung. Man muss die These nicht teilen, um an der Umsetzung etwas ablesen zu können.

Keine Anlageberatung. Alle Angaben aus dem 13F-Filing zum Stichtag 30.06., ohne Gewähr. Genannte Wertpapiere dienen ausschließlich der Information.