OpenAI: 50 statt 70 Milliarden Dollar Umsatz — warum eine Rechenfrage die KI-Aktien drückt
Am Donnerstagabend kippte die Stimmung bei KI-Aktien. Die Financial Times berichtete, OpenAI habe Investoren eine Jahresumsatzrate von knapp 50 Milliarden Dollar für Ende September genannt. Wenige Wochen zuvor war in mehreren Berichten von rund 70 Milliarden die Rede gewesen. CNBC und Reuters bestätigten die 50 Milliarden. Oracle verlor 5,5 Prozent, CoreWeave 7,8 Prozent, Broadcom 4,3 Prozent und Nvidia 2,9 Prozent; am Freitagmorgen fiel in Tokio SoftBank, einer der größten OpenAI-Investoren, um 5,2 Prozent.
Der Makro-Stratege Andreas Steno Larsen nannte die Reaktion auf X „ziemlich lächerlich“: Es handle sich um eine Frage der Zählweise, nicht um ein Loch von 20 Milliarden Dollar im Geschäft. Damit hat er weitgehend recht — warum der Markt trotzdem nervös reagiert, hat aber einen nachvollziehbaren Grund.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde mit Claude erstellt, einem KI-Modell von Anthropic. Anthropic ist der wichtigste Konkurrent von OpenAI, und seine Zählweise ist Teil dieser Geschichte. Wir stützen uns deshalb ausschließlich auf Medienberichte und kennzeichnen, was nicht geprüft ist.
Woher die 20 Milliarden Differenz kommen
Eine „Jahresumsatzrate“ ist keine Bilanzzahl. Man nimmt den Umsatz eines Monats und rechnet ihn auf zwölf Monate hoch. Wie die Zahl zustande kommt, legt jedes Unternehmen selbst fest. Laut FT und CNBC liegt der Unterschied an einem Punkt:
- Umsätze über Cloud-Anbieter: Viele Firmen kaufen KI-Modelle nicht direkt beim Hersteller, sondern über Amazon Web Services, Google Cloud oder Microsoft Azure. Laut den Berichten zählt Anthropic diese Umsätze in seiner Jahresrate mit, OpenAI nicht.
- Die Anpassung der Investoren: Um beide Firmen vergleichbar zu machen, hatten Investoren OpenAIs Zahl um die Umsätze über Partner erhöht. So entstand die Schätzung von rund 40 Milliarden Dollar für August. Als OpenAI dann ein Wachstum von gut 70 Prozent meldete, wurde daraus eine Rate von rund 68 bis 70 Milliarden.
- Was OpenAI selbst gesagt hat: In der Präsentation für Investoren nannte OpenAI rund 50 Milliarden Dollar, ein Wachstum der Jahresrate um 77 Prozent im dritten Quartal und 107 Prozent im Firmenkundengeschäft.
Die 50 und die 70 Milliarden beschreiben also weitgehend dasselbe Geschäft, nur unterschiedlich abgegrenzt. Geschrumpft ist OpenAI nicht — die Wachstumsraten sind sogar sehr hoch.
Warum der Markt trotzdem reagiert
Für Aktionäre von Oracle, CoreWeave, Broadcom oder AMD zählt nicht, wie groß OpenAI im Vergleich zu Anthropic aussieht. Für sie zählt, wie viel Geld bei OpenAI tatsächlich ankommt. Diese Unternehmen haben mit OpenAI Verträge über Rechenleistung, Chips und Rechenzentren in dreistelliger Milliardenhöhe geschlossen; Sam Altman bezifferte die Zusagen Ende 2025 auf rund 1,4 Billionen Dollar über mehrere Jahre. Umsätze, die über einen Cloud-Partner laufen, landen nicht vollständig bei OpenAI, weil der Partner seinen Anteil behält. Für die Frage, ob OpenAI seine Rechnungen zahlen kann, ist deshalb eher die niedrigere Zahl die richtige.
Dazu kommt das Timing. Die Branche finanziert ihren Ausbau zunehmend über Kredite und Zweckgesellschaften, wie zuletzt bei Broadcom und Anthropic oder bei Oracle, dessen langlaufende Anleihen schon vor dem Bericht fast 8 Prozent Rendite brachten. In so einem Umfeld wirkt jede Zahl, die nach weniger Umsatz aussieht, stärker, als sie inhaltlich ist. Bei Oracle setzte der Kursrutsch am Donnerstag laut unseren Stundendaten gegen 18:30 Uhr ein — zur Zeit des FT-Berichts.
Was der Vergleich mit Anthropic aussagt
Anthropic soll laut Yahoo Finance zuletzt eine Jahresrate von rund 65 Milliarden Dollar erreicht haben, gezählt inklusive Umsätzen über Cloud-Partner. Nach der gleichen Lesart läge OpenAI mit rund 68 Milliarden knapp darüber, nach OpenAIs eigener Lesart mit 50 Milliarden darunter. Wie hoch Anthropics Umsatz ohne Partner wäre, ist nicht öffentlich. Geprüfte Zahlen gibt es von keinem der beiden Unternehmen: Einen öffentlichen Börsenprospekt hat bisher keines bei der US-Börsenaufsicht eingereicht. Für Anthropic wird er laut Berichten in Kürze erwartet, OpenAI plant den Börsengang voraussichtlich Anfang 2027. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Börsengang von OpenAI und Anthropic.
Einordnung
Die Nachricht selbst ist dünner, als der Kursrutsch vermuten lässt: OpenAI hat keine 20 Milliarden Dollar Umsatz verloren, und das Wachstum bleibt hoch. Sie zeigt aber zwei Schwächen, die Anleger kennen sollten. Erstens sind „Jahresumsatzraten“ ungeprüfte Kennzahlen, die Firmen unterschiedlich berechnen — wer sie vergleicht, vergleicht oft Äpfel mit Birnen. Zweitens hängen Börsenwerte von mehreren Billionen Dollar an Umsätzen zweier Firmen, die keine geprüften Zahlen veröffentlichen. Die Börsenprospekte von Anthropic und OpenAI werden deshalb die wichtigsten Dokumente der KI-Branche in den kommenden Monaten sein.
Quellen: Bericht der Financial Times via Investing.com; Bestätigung, Präsentation und Erklärung der Zählweise via CNBC, Reuters und Yahoo Finance; Einschätzung von Andreas Steno Larsen aus einem Beitrag auf X vom 8. Oktober. Kursveränderungen und Zeitpunkt des Kursrutsches aus unseren eigenen Daten, Schlusskurse vom 8. Oktober 2026 (SoftBank: Handel in Tokio am 9. Oktober).
Keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Jahresumsatzraten sind ungeprüfte Unternehmensangaben bzw. Schätzungen von Investoren. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 9. Oktober 2026. Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde mit Claude erstellt, einem Modell von Anthropic, einem direkten Wettbewerber von OpenAI.