Broadcom und Anthropic: 60 Milliarden Dollar Kredit für Chips, die gemietet werden
An der Wall Street läuft die bisher größte Finanzierung für KI-Chips. Laut Financial Times haben Bank of America, Citigroup und Morgan Stanley begonnen, ein Kreditpaket über 60 Milliarden Dollar an andere Banken weiterzureichen. Mit dem Geld werden Rechenchips gekauft, die Google entwickelt und Broadcom mitentwickelt und liefert. Nutzen wird sie Anthropic, das Unternehmen hinter dem KI-Modell Claude — allerdings nicht als Eigentümer, sondern als Mieter.
Für Broadcom ist das ein Großauftrag mit Nebenwirkungen: Der Konzern liefert die Chips und steht zugleich für einen großen Teil der Kredite ein. Die Aktie stieg am Montag um 2,1 Prozent auf 362,51 Dollar, liegt aber weiter ein Viertel unter ihrem Hoch vom Juni.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde mit Claude erstellt, einem KI-Modell von Anthropic. Anthropic ist eine der Parteien des hier beschriebenen Geschäfts. Wir haben uns deshalb auf Medienberichte und Unternehmensmitteilungen gestützt und unbestätigte Angaben gekennzeichnet.
Wie das Geschäft funktioniert
Die Chips kauft keine der beteiligten Firmen selbst, sondern eine eigens gegründete Zweckgesellschaft. Sie gehört zu einer Plattform, die Broadcom „AI XPV“ nennt, finanziert sich über Kredite und vermietet die Rechenleistung an Anthropic. Aus den Mietraten werden die Kredite bedient. Laut FT beginnt Anthropic erst zu zahlen, wenn die Hardware vollständig geliefert ist. Das Paket besteht aus zwei Teilen:
| Teil | Betrag | Wer und wie |
|---|---|---|
| Klasse A, vorrangig und besichert | 42 Mrd. $ | Bank of America, Citigroup, Morgan Stanley; Kreditunterstützung durch Broadcom (Bonitätsnote A-) |
| Klasse B, nachrangig | 18 Mrd. $ | angeführt von Blackstone mit rund 9 Mrd. $ eigenem Geld, ohne Garantie von Broadcom |
| Summe | 60 Mrd. $ | laut FT die größte Chip-Finanzierung bisher |
Es ist bereits die zweite Runde. Im Juni hatte Apollo eine erste Finanzierung über 35 Milliarden Dollar angeführt, ebenfalls mit Blackstone. Damals übernahm Broadcom Kreditunterstützung und Restwertgarantien für 30 Milliarden Dollar. Zusammen sind es damit rund 95 Milliarden Dollar in vier Monaten. Im August war noch von bis zu 100 Milliarden Dollar für die zweite Runde die Rede, jetzt sind es 60.
Wofür das Geld gebraucht wird
Im April hat Broadcom bei der SEC gemeldet, dass Anthropic ab 2027 Zugang zu rund 3,5 Gigawatt Rechenleistung auf Basis von Google-TPUs erhalten soll, zusätzlich zu rund einem Gigawatt, das 2026 in Betrieb geht. Das entspricht etwa der Leistung von drei großen Atomreaktoren. In der Meldung steht auch eine Einschränkung: Wie viel davon Anthropic tatsächlich abnimmt, hängt von seinem geschäftlichen Erfolg ab.
Genau deshalb ist die Konstruktion interessant. Anthropic muss die Chips nicht kaufen und damit nicht Dutzende Milliarden Dollar vorab aufbringen. Das Risiko tragen zunächst die Kreditgeber — und über die Kreditunterstützung für den vorrangigen Teil auch Broadcom.
Was das für Broadcom bedeutet
Die Zahlen von Broadcom zeigen, wie groß das KI-Geschäft geworden ist. Im dritten Geschäftsquartal bis Anfang August stieg der Umsatz um 86 Prozent auf 29,6 Milliarden Dollar, der Umsatz mit KI-Chips um 221 Prozent auf 16,7 Milliarden. Für das laufende Quartal erwartet Broadcom 21,7 Milliarden Dollar KI-Umsatz, für das kommende Geschäftsjahr 115 Milliarden und für 2028 sogar 230 Milliarden. Der Auftragsbestand lag zuletzt bei 179 Milliarden Dollar.
Die Finanzierung zeigt die Kehrseite: Broadcom verkauft nicht nur Chips, sondern hilft dem Kunden, sie zu bezahlen. Solche Lieferantenkredite sind in der KI-Branche inzwischen verbreitet — wir haben das zuletzt beim Vertrag zwischen Cerebras und OpenAI beschrieben. Für Aktionäre heißt das: Ein Teil des Umsatzes hängt davon ab, dass Anthropic weiter wächst und seine Raten zahlen kann. Fällt das Wachstum schwächer aus, sitzen die Kreditgeber auf Chips, deren Wert schnell sinkt, und Broadcom haftet für einen Teil der Kredite.
Die Aktie spiegelt diese Sorge seit dem Sommer wider. Nach dem Hoch von 481,57 Dollar am 2. Juni fiel sie nach den Zahlen im Juni um mehr als 12 Prozent und nach den Zahlen im September noch einmal, weil der Umsatzausblick knapp unter den Erwartungen lag. Seit Jahresbeginn liegt sie mit 362,51 Dollar nur noch 5 Prozent im Plus.
Was unbestätigt ist
Mehrere Berichte nennen weitere Zahlen und berufen sich dabei auf einen Börsenprospekt von Anthropic: Mietverträge für TPUs über 125,2 Milliarden Dollar auf fünf Jahre und Wandelanleihen über bis zu 42 Milliarden Dollar, die Anthropic an Broadcom ausgeben könnte. Einen öffentlichen Prospekt von Anthropic gibt es bei der US-Börsenaufsicht SEC bislang nicht — das haben wir am 5. Oktober in der Datenbank EDGAR geprüft. Wir behandeln diese Angaben deshalb als unbestätigt. Mehr zum geplanten Börsengang steht in unserem Beitrag zu OpenAI und Anthropic.
Worauf es jetzt ankommt
- Die Nachfrage der Banken: Die FT beschreibt das Geschäft als Test, ob private Geldgeber den KI-Ausbau weiter finanzieren. Müssen die drei Banken große Teile selbst behalten oder die Konditionen verbessern, wäre das ein Warnsignal für die ganze Branche.
- Ein öffentlicher Börsenprospekt von Anthropic: Er würde zeigen, wie viel Anthropic für Rechenleistung zugesagt hat und wie es diese Zusagen bezahlen will.
- Broadcoms Zahlen im Dezember: Dann zeigt sich, ob die 21,7 Milliarden Dollar KI-Umsatz für das Quartal erreicht werden und wie Broadcom die Garantien in der Bilanz ausweist.
Einordnung
Das Geschäft zeigt, wie der KI-Ausbau inzwischen bezahlt wird: nicht mehr nur aus den Kassen der großen Tech-Konzerne, sondern zunehmend über Kredite, Zweckgesellschaften und Garantien der Lieferanten. Für Broadcom sichert das Umsatz über Jahre. Es bindet den Konzern aber auch enger an einen einzelnen Kunden, als es die Umsatzzahlen allein zeigen. Wer sich mit der Aktie beschäftigt, sollte neben dem KI-Umsatz deshalb auch die Garantien im Blick behalten.
Quellen: Zweite Finanzierungsrunde laut Financial Times via Investing.com und Bloomberg via Yahoo Finance und Seeking Alpha; erste Runde laut Axios und Yahoo Finance; Gespräche im August via CNBC; TPU-Vereinbarung laut Broadcom-Meldung bei der SEC via Tom's Hardware und TechCrunch; Broadcom-Zahlen laut Broadcom und CNBC; Kursreaktion nach den Zahlen via Morningstar. Prüfung auf einen Anthropic-Prospekt in der EDGAR-Volltextsuche der SEC am 5. Oktober 2026. Kurse, Kursveränderungen und die Summe beider Runden aus unseren eigenen Daten und Berechnungen, Stand 5. Oktober 2026 (Schlusskurs).
Keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Die Konditionen der Finanzierung sind nicht veröffentlicht; die Angaben beruhen auf Medienberichten. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 5. Oktober 2026. Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde mit Claude erstellt, einem Modell von Anthropic, einer Partei des beschriebenen Geschäfts.