Grafik: Bewertungen von Anthropic (380 Milliarden Dollar im Februar, 965 im Mai, Ziel rund 2.000 beim Börsengang) und OpenAI (852 Milliarden im März) im Vergleich zu SpaceX beim Börsengang (1.770 Milliarden). Rechts die Kursentwicklung gegenüber dem Ausgabepreis: SpaceX plus 19 Prozent am ersten Tag und plus 18 Prozent heute, Cerebras plus 68 Prozent am ersten Tag und minus 10 Prozent heute.

OpenAI und Anthropic an die Börse: Was geplant ist — und was Anleger aus SpaceX und Cerebras lernen können

3. Oktober 2026 · marktradar Beiträge · Analyse

Die beiden wertvollsten KI-Firmen ohne Börsennotiz bereiten ihren Börsengang vor. Anthropic, der Entwickler des Sprachmodells Claude, peilt nach übereinstimmenden Berichten eine Notierung an der Nasdaq im November an, bei einer Bewertung von rund 2 Billionen Dollar. Es wäre der größte Börsengang der Geschichte. OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, hat dagegen gebremst: Konzernchef Sam Altman sagt, vor 2027 werde es nichts.

Transparenzhinweis: marktradar erstellt Beiträge mit Unterstützung von KI. Dieser Beitrag wurde mit Claude recherchiert, einem Modell von Anthropic, über das er auch berichtet. Alle Angaben stammen aus den unten genannten Quellen; Bewertungen und Risiken sind für beide Firmen nach denselben Maßstäben beschrieben.

Der Stand der Pläne

AnthropicOpenAI
Letzte Bewertung965 Mrd. $ (Mai 2026)852 Mrd. $ (März 2026)
Umsatz aufs Jahr gerechnet65 Mrd. $ (Ende Juli)rund 40 Mrd. $ (laut CNBC)
Antrag bei der SECvertraulich, Juni 2026vertraulich, Juni 2026
ZeitplanNovember 2026, nach den US-Wahlen am 3.11. (Reuters)nicht vor 2027 (Altman)
BörseNasdaq (Bloomberg)offen
Angestrebte Bewertungrund 2 Bio. $ (Reuters)bis rund 1 Bio. $ (Berichte)
Volumenbis zu 100 Mrd. $ (Reuters)offen

Eine Einschränkung vorweg: Ein öffentlicher Börsenprospekt liegt von keiner der beiden Firmen vor. Wir haben am 3. Oktober die Datenbank der US-Börsenaufsicht SEC durchsucht; beide haben bisher nur vertraulich eingereicht. Berichte, Anthropic habe Ende September einen Prospekt veröffentlicht, ließen sich dort nicht bestätigen. Fast alle Zahlen zum Börsengang selbst stammen deshalb aus Medienberichten mit ungenannten Quellen und können sich ändern. Spätestens 15 Tage vor dem Beginn der Investorenwerbung muss der Prospekt öffentlich sein, bei einem Börsengang im November also in den kommenden Wochen.

Anthropic: das schnellste Wachstum, der höchste Preis

Anthropic hat OpenAI beim hochgerechneten Umsatz in diesem Jahr überholt. Der auf ein Jahr hochgerechnete Umsatz lag nach Firmenangaben Ende 2025 bei rund 9 Milliarden Dollar, im April bei 30 Milliarden und Ende Juli bei 65 Milliarden. Getrieben wird das nach Berichten vor allem von Unternehmenskunden und Programmierwerkzeugen. Die Bewertung ist noch schneller gestiegen: von 380 Milliarden Dollar im Februar auf 965 Milliarden im Mai und jetzt angepeilt rund 2 Billionen.

Was Anleger dabei wissen sollten:

OpenAI: erst 2027, mit Begründung Sicherheit

OpenAI hatte ursprünglich einen Börsengang im Herbst 2026 vorbereitet und im Juni vertraulich bei der SEC eingereicht. Im August sagte Finanzchefin Sarah Friar intern, OpenAI werde 2027 börsennotiert sein. Mitte September erklärte Altman gegenüber Fortune, ein Börsengang wäre derzeit „unklug“ getimt; auf der Entwicklerkonferenz Ende September sagte er, OpenAI müsse zuerst belastbare Aussagen zur Sicherheit seiner Modelle machen können. Einen festen Termin gibt es seitdem nicht. Wie Anthropic ist auch OpenAI seit Oktober 2025 eine gemeinwohlorientierte Kapitalgesellschaft; rund 26 Prozent gehören der gemeinnützigen OpenAI Foundation. Finanziert ist das Unternehmen vorerst: Ende März sammelte es 122 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 852 Milliarden ein, die größte private Finanzierungsrunde der Geschichte.

Was SpaceX und Cerebras zeigen

SpaceXCerebras
Börsengang12. Juni 202614. Mai 2026
Ausgabepreis135 $185 $
Erster Schlusskurs160,95 $ (+19 %)311,07 $ (+68 %)
Höchster Schlusskurs211,39 $ (16. Juni)311,07 $ (erster Tag)
Heute158,96 $ (+18 %)166,43 $ (−10 %)

Das Muster ist bei beiden gleich: Wer zum Ausgabepreis zuteilt bekam, lag vorne; wer am ersten Tag oder in den Tagen danach an der Börse kaufte, liegt heute im Minus. SpaceX steht unter dem ersten Schlusskurs und 25 Prozent unter dem Hoch, Cerebras sogar unter dem Ausgabepreis. Bei Privatanlegern in Deutschland ist das die übliche Lage: Zuteilungen bei US-Börsengängen bekommen sie selten, sie kaufen meist erst im Handel — also zum teuersten Zeitpunkt. Nach dem Börsengang drücken dann gestaffelte Sperrfristen, wie wir bei Cerebras beschrieben haben.

Wer heute schon beteiligt ist

Wer nicht auf den Börsengang warten will, kann über börsennotierte Großaktionäre indirekt beteiligt sein. Der Effekt ist allerdings verdünnt, weil die Beteiligungen nur einen Teil des Wertes dieser Konzerne ausmachen:

AktionärAnteilWie gesichertAktie 2026
Microsoft an OpenAIrund 27 %offiziell, vor Verwässerung 2026+7 %
SoftBank an OpenAIrund 12–13 %Berichte+43 %
Amazon an Anthropicrund 15–20 %Schätzung+9 %
Alphabet an Anthropicrund 14 %, höchstens 15 %Gerichtsunterlagen 2025+10 %
Nvidia an beidenniedrige einstellige %Schätzung+25 %

Wie stark solche Beteiligungen schon in die Bilanzen wirken, zeigte das Frühjahr: Nach einer Auswertung von Fortune stammte rund die Hälfte der KI-Gewinne von Alphabet und Amazon im ersten Quartal aus der Höherbewertung ihrer Anthropic-Anteile, nicht aus dem eigenen Geschäft. Das kann sich nach einem Börsengang auch umkehren: Dann schwankt der Wert der Beteiligung täglich mit dem Kurs.

Vorsicht vor „Pre-IPO“-Angeboten

Rund um große Börsengänge tauchen regelmäßig Angebote auf, Anteile schon vorher zu kaufen: über Token, Zertifikate ohne echte Beteiligung oder Plattformen, die „Anthropic-Aktien“ oder „OpenAI-Aktien“ versprechen. Vor dem Börsengang gibt es keine frei handelbaren Aktien beider Firmen; Zweitmarkt-Plattformen für Altaktionäre stehen in der Regel nur professionellen Anlegern offen. Wer solche Angebote in sozialen Netzwerken sieht, sollte sie meiden.

Worauf es jetzt ankommt

Einordnung

Kommen beide an die Börse, wäre das für den Markt ein Test, wie viel Geld Anleger in Firmen stecken wollen, die schnell wachsen, aber noch keinen Gewinn machen und riesige Summen in Rechenzentren investieren. Die Beispiele SpaceX und Cerebras zeigen: Der erste Handelstag ist selten ein guter Einstiegspunkt. Wer Anthropic oder OpenAI kaufen will, hat Zeit, den Prospekt zu lesen und die ersten Wochen abzuwarten. Wie die KI-Investitionen an anderer Stelle wirken, zeigen unsere Beiträge zu Amazon und Alphabet und zu GE Vernova.

Quellen: Zeitplan Anthropic via Reuters (via Investing.com) und SmartAsset (Zusammenfassung von WSJ, Bloomberg, Reuters); Nvidia als Ankerinvestor via Bloomberg und The Decoder; Umsatz via CNBC und VentureBeat; Umsatzmultiple via Forbes; OpenAI via Fortune (via Yahoo Finance) und MarketScreener; SpaceX via CBS News und NPR; Beteiligungen via DCD (Microsoft), DCD (Alphabet), Fortune (Amazon) und Fortune (Gewinnanteil); Prüfung der SEC-Datenbank EDGAR durch die Redaktion am 3. Oktober 2026. Kurse und Wertentwicklungen aus unseren eigenen Daten, Stand 3. Oktober 2026.

Keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu geplanten Börsengängen beruhen überwiegend auf Medienberichten und können sich ändern. Neuemissionen schwanken stark; ein Totalverlust ist möglich. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 3. Oktober 2026.