OpenAI und Anthropic an die Börse: Was geplant ist — und was Anleger aus SpaceX und Cerebras lernen können
Die beiden wertvollsten KI-Firmen ohne Börsennotiz bereiten ihren Börsengang vor. Anthropic, der Entwickler des Sprachmodells Claude, peilt nach übereinstimmenden Berichten eine Notierung an der Nasdaq im November an, bei einer Bewertung von rund 2 Billionen Dollar. Es wäre der größte Börsengang der Geschichte. OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, hat dagegen gebremst: Konzernchef Sam Altman sagt, vor 2027 werde es nichts.
Transparenzhinweis: marktradar erstellt Beiträge mit Unterstützung von KI. Dieser Beitrag wurde mit Claude recherchiert, einem Modell von Anthropic, über das er auch berichtet. Alle Angaben stammen aus den unten genannten Quellen; Bewertungen und Risiken sind für beide Firmen nach denselben Maßstäben beschrieben.
Der Stand der Pläne
| Anthropic | OpenAI | |
|---|---|---|
| Letzte Bewertung | 965 Mrd. $ (Mai 2026) | 852 Mrd. $ (März 2026) |
| Umsatz aufs Jahr gerechnet | 65 Mrd. $ (Ende Juli) | rund 40 Mrd. $ (laut CNBC) |
| Antrag bei der SEC | vertraulich, Juni 2026 | vertraulich, Juni 2026 |
| Zeitplan | November 2026, nach den US-Wahlen am 3.11. (Reuters) | nicht vor 2027 (Altman) |
| Börse | Nasdaq (Bloomberg) | offen |
| Angestrebte Bewertung | rund 2 Bio. $ (Reuters) | bis rund 1 Bio. $ (Berichte) |
| Volumen | bis zu 100 Mrd. $ (Reuters) | offen |
Eine Einschränkung vorweg: Ein öffentlicher Börsenprospekt liegt von keiner der beiden Firmen vor. Wir haben am 3. Oktober die Datenbank der US-Börsenaufsicht SEC durchsucht; beide haben bisher nur vertraulich eingereicht. Berichte, Anthropic habe Ende September einen Prospekt veröffentlicht, ließen sich dort nicht bestätigen. Fast alle Zahlen zum Börsengang selbst stammen deshalb aus Medienberichten mit ungenannten Quellen und können sich ändern. Spätestens 15 Tage vor dem Beginn der Investorenwerbung muss der Prospekt öffentlich sein, bei einem Börsengang im November also in den kommenden Wochen.
Anthropic: das schnellste Wachstum, der höchste Preis
Anthropic hat OpenAI beim hochgerechneten Umsatz in diesem Jahr überholt. Der auf ein Jahr hochgerechnete Umsatz lag nach Firmenangaben Ende 2025 bei rund 9 Milliarden Dollar, im April bei 30 Milliarden und Ende Juli bei 65 Milliarden. Getrieben wird das nach Berichten vor allem von Unternehmenskunden und Programmierwerkzeugen. Die Bewertung ist noch schneller gestiegen: von 380 Milliarden Dollar im Februar auf 965 Milliarden im Mai und jetzt angepeilt rund 2 Billionen.
Was Anleger dabei wissen sollten:
- Der Preis. Bei 2 Billionen Dollar läge die Bewertung beim rund 31-Fachen des hochgerechneten Umsatzes. Hochgerechnete Umsätze sind keine geprüften Jahreszahlen; Gewinne gibt es bisher nicht, die Firma investiert massiv in Rechenzentren.
- Nvidia als Ankerinvestor. Nvidia verhandelt laut Reuters darüber, bis zu 10 Milliarden Dollar in den Börsengang zu stecken. Kritiker weisen darauf hin, dass Nvidia zugleich der wichtigste Lieferant ist: Ein großer Teil des Geldes dürfte als Chipbestellung zurückfließen.
- Die Stimmrechte. Nach einem Reuters-Bericht sollen die Gründer auch nach dem Börsengang die Kontrolle behalten. Anthropic ist zudem als gemeinnützig ausgerichtete Kapitalgesellschaft (Public Benefit Corporation) organisiert, die neben dem Gewinn auch einen Gemeinwohlzweck verfolgen muss.
OpenAI: erst 2027, mit Begründung Sicherheit
OpenAI hatte ursprünglich einen Börsengang im Herbst 2026 vorbereitet und im Juni vertraulich bei der SEC eingereicht. Im August sagte Finanzchefin Sarah Friar intern, OpenAI werde 2027 börsennotiert sein. Mitte September erklärte Altman gegenüber Fortune, ein Börsengang wäre derzeit „unklug“ getimt; auf der Entwicklerkonferenz Ende September sagte er, OpenAI müsse zuerst belastbare Aussagen zur Sicherheit seiner Modelle machen können. Einen festen Termin gibt es seitdem nicht. Wie Anthropic ist auch OpenAI seit Oktober 2025 eine gemeinwohlorientierte Kapitalgesellschaft; rund 26 Prozent gehören der gemeinnützigen OpenAI Foundation. Finanziert ist das Unternehmen vorerst: Ende März sammelte es 122 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 852 Milliarden ein, die größte private Finanzierungsrunde der Geschichte.
Was SpaceX und Cerebras zeigen
| SpaceX | Cerebras | |
|---|---|---|
| Börsengang | 12. Juni 2026 | 14. Mai 2026 |
| Ausgabepreis | 135 $ | 185 $ |
| Erster Schlusskurs | 160,95 $ (+19 %) | 311,07 $ (+68 %) |
| Höchster Schlusskurs | 211,39 $ (16. Juni) | 311,07 $ (erster Tag) |
| Heute | 158,96 $ (+18 %) | 166,43 $ (−10 %) |
Das Muster ist bei beiden gleich: Wer zum Ausgabepreis zuteilt bekam, lag vorne; wer am ersten Tag oder in den Tagen danach an der Börse kaufte, liegt heute im Minus. SpaceX steht unter dem ersten Schlusskurs und 25 Prozent unter dem Hoch, Cerebras sogar unter dem Ausgabepreis. Bei Privatanlegern in Deutschland ist das die übliche Lage: Zuteilungen bei US-Börsengängen bekommen sie selten, sie kaufen meist erst im Handel — also zum teuersten Zeitpunkt. Nach dem Börsengang drücken dann gestaffelte Sperrfristen, wie wir bei Cerebras beschrieben haben.
Wer heute schon beteiligt ist
Wer nicht auf den Börsengang warten will, kann über börsennotierte Großaktionäre indirekt beteiligt sein. Der Effekt ist allerdings verdünnt, weil die Beteiligungen nur einen Teil des Wertes dieser Konzerne ausmachen:
| Aktionär | Anteil | Wie gesichert | Aktie 2026 |
|---|---|---|---|
| Microsoft an OpenAI | rund 27 % | offiziell, vor Verwässerung 2026 | +7 % |
| SoftBank an OpenAI | rund 12–13 % | Berichte | +43 % |
| Amazon an Anthropic | rund 15–20 % | Schätzung | +9 % |
| Alphabet an Anthropic | rund 14 %, höchstens 15 % | Gerichtsunterlagen 2025 | +10 % |
| Nvidia an beiden | niedrige einstellige % | Schätzung | +25 % |
Wie stark solche Beteiligungen schon in die Bilanzen wirken, zeigte das Frühjahr: Nach einer Auswertung von Fortune stammte rund die Hälfte der KI-Gewinne von Alphabet und Amazon im ersten Quartal aus der Höherbewertung ihrer Anthropic-Anteile, nicht aus dem eigenen Geschäft. Das kann sich nach einem Börsengang auch umkehren: Dann schwankt der Wert der Beteiligung täglich mit dem Kurs.
Vorsicht vor „Pre-IPO“-Angeboten
Rund um große Börsengänge tauchen regelmäßig Angebote auf, Anteile schon vorher zu kaufen: über Token, Zertifikate ohne echte Beteiligung oder Plattformen, die „Anthropic-Aktien“ oder „OpenAI-Aktien“ versprechen. Vor dem Börsengang gibt es keine frei handelbaren Aktien beider Firmen; Zweitmarkt-Plattformen für Altaktionäre stehen in der Regel nur professionellen Anlegern offen. Wer solche Angebote in sozialen Netzwerken sieht, sollte sie meiden.
Worauf es jetzt ankommt
- Der öffentliche Prospekt von Anthropic. Er enthält erstmals geprüfte Zahlen zu Umsatz, Verlusten und Investitionen, die genauen Beteiligungen von Amazon und Alphabet und die Stimmrechte.
- Die Preisspanne zeigt, ob die 2 Billionen Dollar halten.
- Der 3. November: Nach Reuters soll der Börsengang erst nach den Kongresswahlen stattfinden.
- OpenAI: ob aus „2027“ ein konkreter Termin wird.
Einordnung
Kommen beide an die Börse, wäre das für den Markt ein Test, wie viel Geld Anleger in Firmen stecken wollen, die schnell wachsen, aber noch keinen Gewinn machen und riesige Summen in Rechenzentren investieren. Die Beispiele SpaceX und Cerebras zeigen: Der erste Handelstag ist selten ein guter Einstiegspunkt. Wer Anthropic oder OpenAI kaufen will, hat Zeit, den Prospekt zu lesen und die ersten Wochen abzuwarten. Wie die KI-Investitionen an anderer Stelle wirken, zeigen unsere Beiträge zu Amazon und Alphabet und zu GE Vernova.
Quellen: Zeitplan Anthropic via Reuters (via Investing.com) und SmartAsset (Zusammenfassung von WSJ, Bloomberg, Reuters); Nvidia als Ankerinvestor via Bloomberg und The Decoder; Umsatz via CNBC und VentureBeat; Umsatzmultiple via Forbes; OpenAI via Fortune (via Yahoo Finance) und MarketScreener; SpaceX via CBS News und NPR; Beteiligungen via DCD (Microsoft), DCD (Alphabet), Fortune (Amazon) und Fortune (Gewinnanteil); Prüfung der SEC-Datenbank EDGAR durch die Redaktion am 3. Oktober 2026. Kurse und Wertentwicklungen aus unseren eigenen Daten, Stand 3. Oktober 2026.
Keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu geplanten Börsengängen beruhen überwiegend auf Medienberichten und können sich ändern. Neuemissionen schwanken stark; ein Totalverlust ist möglich. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 3. Oktober 2026.