Cerebras und OpenAI: Was im Vertrag steht — und warum ein Satz von Sam Altman die Aktie bewegt
Selten hängt eine Aktie so sichtbar an einem einzigen Kunden wie Cerebras an OpenAI. Am Mittwoch behauptete das Analysehaus SemiAnalysis, der neue besonders schnelle Dienst von OpenAI laufe auf Nvidia-Grafikkarten statt auf Cerebras-Chips. Die Aktie fiel an diesem Tag um 8,9 Prozent, in der ganzen Woche um knapp 20 Prozent auf 166,43 Dollar, das tiefste Niveau seit dem Börsengang im Mai. Am Freitagabend meldete sich Sam Altman: Cerebras sei „ein enger Partner“, man arbeite eng daran, die Grenzen der Geschwindigkeit zu verschieben. Nachbörslich stieg die Aktie um rund 3 Prozent.
Was ist an der Sache dran, und wie eng sind beide Firmen tatsächlich verbunden? Die Antwort steht nicht in Beiträgen auf X, sondern im Quartalsbericht, den Cerebras bei der US-Börsenaufsicht eingereicht hat.
Was im Vertrag steht
Angekündigt wurde die Partnerschaft am 14. Januar 2026, unterschrieben im Dezember 2025 als Rahmenvertrag (Master Relationship Agreement). Die Eckdaten laut Quartalsbericht:
| Baustein | Inhalt |
|---|---|
| Feste Abnahme | 750 Megawatt Rechenleistung für KI-Anwendungen, Laufzeit drei oder vier Jahre, von OpenAI verlängerbar auf höchstens fünf |
| Option | weitere 1,25 Gigawatt in Tranchen bis Ende 2030, insgesamt bis zu 2 Gigawatt |
| Kredit | rund 1 Milliarde Dollar, von OpenAI im Januar ausgezahlt, für den Aufbau der Rechenzentren |
| Beteiligung | Optionsscheine für OpenAI auf bis zu 33,4 Millionen Cerebras-Aktien zu einem Ausübungspreis von praktisch null, fällig in Stufen bei Lieferung und Zahlungen |
| Bisher fällig | gut 10 Millionen Aktien (Januar und Juni), beim heutigen Kurs rund 1,7 Mrd. $ wert |
| Umsatz Q2 2026 | 56,8 Millionen Dollar, rund 32 Prozent des Cerebras-Umsatzes |
Den Wert des Vertrags nennt Cerebras nicht. Bei der Ankündigung war in Medienberichten von mehr als 10 Milliarden Dollar die Rede. Klarer ist eine andere Zahl: Von den 25,4 Milliarden Dollar, die Cerebras Ende Juni an vertraglich zugesagtem, noch nicht erbrachtem Geschäft auswies, entfällt nach eigener Angabe ein „bedeutender Teil“ auf OpenAI. Nur rund 22 Prozent davon sollen bis Juni 2028 zu Umsatz werden.
Kunde, Kreditgeber und künftiger Aktionär
OpenAI ist damit für Cerebras dreierlei zugleich: der wichtigste Kunde, ein Kreditgeber und über die Optionsscheine ein künftiger Großaktionär. Das hat Vorteile: OpenAI hat ein eigenes Interesse daran, dass Cerebras erfolgreich ist. Es schafft aber auch eine Abhängigkeit, die über einen normalen Liefervertrag hinausgeht. Ein ähnliches Muster hatte OpenAI im Oktober 2025 mit AMD vereinbart, ebenfalls Chips gegen Optionsscheine auf Aktien des Lieferanten.
Für Cerebras-Aktionäre bedeutet das zweierlei. Jede Tranche, die OpenAI ausübt, verwässert ihren Anteil. Und jedes Signal, dass OpenAI Rechenleistung woanders kauft, trifft den Kurs unmittelbar — wie diese Woche.
Was hinter dem Nvidia-Bericht steckt
- Die Behauptung: SemiAnalysis schrieb, der Dienst „Ultrafast“ für das neue Modell GPT-6.1 Sol laufe nicht auf Cerebras, sondern auf Nvidia-Grafikkarten. OpenAI hat nicht gesagt, welche Hardware den Dienst betreibt; bestätigt ist die Behauptung nicht.
- Was dafür spricht: Im August hatte OpenAI die Vorgängerversion ausdrücklich mit Cerebras vorgestellt, mit bis zu 750 Tokens (Textbausteinen) pro Sekunde. Der neue Dienst kommt laut OpenAI auf rund 300 — deutlich weniger, was zu einer anderen Hardware passen würde.
- Was dagegen spricht, dass es ein Bruch ist: Altmans öffentliches Bekenntnis zur Partnerschaft und der Vertrag selbst: Die 750 Megawatt sind fest gebucht. Beide Seiten haben Cerebras von Anfang an als Ergänzung zu Nvidia und AMD beschrieben, nicht als Ersatz. Möglich ist auch, dass größere Modelle auf Cerebras-Chips schwerer zu betreiben sind, weil sie über mehrere der wafergroßen Chips verteilt werden müssen.
Die Aktie: drei Belastungen auf einmal
| Tag | Schluss | Was passiert ist |
|---|---|---|
| 25. September | 206,75 $ | Technikvorstand verkauft 120.000 Aktien |
| 29. September | 194,95 $ | Betriebs- und Finanzvorstand melden Verkäufe |
| 30. September | 177,65 $ | Nvidia-Bericht und Sperrfrist-Welle von rund 19 Mio. Aktien |
| 1. Oktober | 169,52 $ | |
| 2. Oktober | 166,43 $ | abends Altmans Bekenntnis zur Partnerschaft |
Der Bericht über OpenAI kam zur denkbar ungünstigsten Zeit: in einer Woche, in der Vorstände Aktien verkauften und die nächste Welle von Altaktionärs-Aktien handelbar wurde. Das macht es schwer, den Effekt des Berichts allein zu messen. Die Einzelheiten zu Sperrfristen und Vorstandsverkäufen stehen im Update unseres Beitrags Cerebras: 25 Milliarden Auftragsbestand.
Worauf es jetzt ankommt
- Eine Klarstellung zur Hardware. Altman hat die Partnerschaft bekräftigt, aber nicht gesagt, worauf GPT-6.1 Sol Ultrafast läuft.
- 13. bis 15. Oktober: Cerebras-Chef Andrew Feldman spricht auf der Konferenz TechCrunch Disrupt; Fragen zu OpenAI sind gewiss.
- 14. und 28. Oktober: weitere große Sperrfrist-Termine für Altaktionäre.
- Anfang November: Zahlen zum dritten Quartal. Entscheidend ist, wie viel Umsatz von OpenAI kommt und ob OpenAI weitere Optionsscheine erhalten hat — beides zeigt, ob die Lieferungen wie geplant laufen.
- OpenAIs eigene Finanzen. Der Kunde macht selbst Verluste und finanziert sich über Kapitalrunden; der Börsengang ist auf 2027 verschoben, wie wir in unserem Beitrag zu OpenAI und Anthropic beschreiben.
Einordnung
Der Vertrag zwischen Cerebras und OpenAI ist fest und groß: 750 Megawatt, ein Milliardenkredit und eine Kapitalbeteiligung binden beide Seiten über Jahre. Ein Bericht über die Hardware eines einzelnen Dienstes ändert daran zunächst nichts. Er zeigt aber, wie empfindlich der Kurs auf jedes Zeichen reagiert, dass OpenAI nicht exklusiv bei Cerebras rechnen lässt. Solange fast ein Drittel des Umsatzes und ein großer Teil des Auftragsbestands an einem Kunden hängen, bleibt das so. Mehr Klarheit bringen die Zahlen im November.
Quellen: Vertragsdaten, Umsatzanteile, Optionsscheine und Auftragsbestand laut Quartalsbericht von Cerebras (10-Q); Ankündigung via Cerebras und TechCrunch; SemiAnalysis-Bericht via OfficeChai; Altmans Aussage und nachbörslicher Kurs via Briefs und Crypto Briefing; Geschwindigkeiten via OpenAI, HPCwire und VentureBeat. Kurse, Wert der Optionsscheine und Wochenveränderung aus unseren eigenen Daten und Berechnungen, Stand 3. Oktober 2026 (Schlusskurs 2. Oktober).
Keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Vertragsangaben sind Unternehmensangaben, keine Zusage künftiger Umsätze. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 3. Oktober 2026. Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde mit Claude erstellt, einem Modell von Anthropic, einem Wettbewerber von OpenAI.