Zweiteilige Grafik: links der Xbox-Umsatz von Microsoft in den Geschäftsjahren 2024 bis 2026 mit 21,5, 23,5 und 21,8 Milliarden Dollar, rechts der Umsatz von Take-Two nach Plattform mit 50,1 Prozent Mobil, 39,0 Prozent Konsole und 10,9 Prozent PC.

Take-Two und Microsoft: Was der neue Xbox-Vertrag bedeutet — und warum Xbox GTA 6 dringender braucht

1. Oktober 2026 · marktradar Beiträge · Analyse

Sieben Wochen vor dem Start von GTA 6 hat Take-Two der US-Börsenaufsicht SEC einen neuen Vertrag mit Microsoft gemeldet: eine langfristige Xbox-Lizenz, unterschrieben am 28. September, gültig rückwirkend ab 17. September, veröffentlicht am 30. September. In Foren und auf Spieleseiten wurde daraus schnell eine große Nachricht. Wir haben die Meldung im Original gelesen und mit den Jahresberichten beider Konzerne abgeglichen. Das Ergebnis ist weniger spektakulär als die Schlagzeilen, aber für Anleger aufschlussreich.

Was im Vertrag steht

Was der Vertrag nicht ist

Keine Exklusivität, keine Beteiligung, kein Game-Pass-Deal für GTA 6, jedenfalls nichts davon steht in der Meldung. Einen solchen Vertrag hat jeder große Spielehersteller mit Microsoft, Sony und Nintendo; ohne ihn darf er auf der jeweiligen Konsole gar nichts verkaufen. Die Konditionen, also wie viel Microsoft an jedem Verkauf verdient, nennt Take-Two nicht. Den Vertragstext will das Unternehmen mit dem nächsten Quartalsbericht nachreichen; wie beim Vertrag von 2020 dürften die Konditionen darin geschwärzt sein.

Interessant ist die Formulierung „alle Xbox-Geräte“. Microsoft arbeitet unter dem Namen Project Helix an der nächsten Xbox, die auch PC-Spiele abspielen und als Familie mehrerer Geräte erscheinen soll. Einen Starttermin gibt es nicht. Take-Two muss für diese Geräte nicht neu verhandeln. Für Anleger heißt das vor allem: Ein Risiko, das ohnehin klein war, ist für Jahre vom Tisch.

Wie wichtig Microsoft für Take-Two ist

Die Antwort steht im Jahresbericht von Take-Two für das Geschäftsjahr bis März 2026:

Take-Two, Geschäftsjahr 2025/26UmsatzAnteil
Mobilspiele3,33 Mrd. $50,1 %
Konsole (PlayStation, Xbox, Switch)2,60 Mrd. $39,0 %
PC und Sonstiges0,73 Mrd. $10,9 %
Gesamt6,66 Mrd. $

Take-Two nennt vier Kunden, die jeweils mehr als 10 Prozent zum Umsatz beitragen: Apple, Sony, Google und Microsoft. Ihre Anteile liegen bei 24,9, 22,5, 15,0 und 12,1 Prozent, welche Zahl zu welchem Namen gehört, verrät der Bericht nicht. Weil Mobilspiele die Hälfte des Umsatzes ausmachen, liegt nahe, dass Apple und Google die beiden größten sind und Microsoft einer der beiden kleineren. Selbst dann geht rund jeder achte Dollar über Microsofts Kasse.

Wichtig für das Verständnis der Zahlen: Bei Verkäufen im Xbox-Store bucht Take-Two nur das, was nach Abzug von Microsofts Anteil ankommt. Mit GTA 6 dürfte der Konsolenanteil deutlich steigen, denn das Spiel erscheint zum Start ausschließlich für PS5 und Xbox Series X|S, nicht für PC und nicht für Smartphones.

Warum Microsoft GTA 6 dringender braucht

Für Microsoft ist Xbox ein Sorgenkind. Die Zahlen aus dem Jahresbericht bis Juni 2026:

Microsoft, Geschäftsjahr bis Juni202420252026
Xbox-Umsatz21,5 Mrd. $23,5 Mrd. $21,8 Mrd. $ (−7 %)
davon Inhalte und Dienste−5 %
davon Konsolen−29 %
Anteil am Konzernumsatz6,6 %

Im letzten Quartal (April bis Juni) fiel der Umsatz mit Inhalten und Diensten sogar um 10 Prozent, dazu kamen Abschreibungen und Abfindungen im Xbox-Geschäft. Konzernchef Satya Nadella hat nach Berichten über die Telefonkonferenz versprochen, dass Xbox bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres, also bis Juni 2027, wieder wächst.

Dafür kommt GTA 6 gerade recht. Microsoft zählt zu „Inhalten und Diensten“ ausdrücklich auch Spiele anderer Hersteller, die über den Xbox-Store verkauft werden. Jede digitale GTA-6-Kopie auf der Xbox läuft also durch Microsofts Umsatz. Der Start am 19. November fällt in Microsofts Quartal Oktober bis Dezember, dessen Zahlen Ende Januar kommen. Eine Einschränkung: GTA 6 startet nach heutigem Stand ohne Online-Modus und ohne In-Game-Käufe. Microsoft verdient zunächst also nur am Spiel selbst mit, nicht an den Zusatzkäufen, die bei GTA 5 über Jahre einen großen Teil des Geschäfts ausmachten.

Die Größenordnung sollte man nicht überschätzen: Selbst ein starkes Xbox-Quartal bewegt einen Konzern kaum, der im Jahr 332 Milliarden Dollar umsetzt und an der Börse vor allem nach Azure und KI bewertet wird. Für die Xbox-Sparte und ihr Wachstumsversprechen kann GTA 6 aber den Unterschied machen. Mehr zur Microsoft-Aktie steht in unserem Beitrag Microsoft: Minus 35 Prozent, plus 46 Prozent.

Partner und Streitpartei zugleich

Ganz reibungslos ist das Verhältnis nicht. Im August hat Take-Two laut Variety per gerichtlicher Anordnung Daten von Microsoft und Discord verlangt: Ausschnitte aus GTA 6 waren unter anderem auf GitHub aufgetaucht, das zu Microsoft gehört. Microsoft sagte Unterstützung zu. Mit dem Lizenzvertrag hat das nichts zu tun, zeigt aber, wie nervös Take-Two die Wochen vor dem Start erlebt: Die Aktie fiel am 31. August, als neue Leaks die Runde machten, um 6,7 Prozent.

Die beiden Aktien

Stand 1. Oktober 2026KursHeuteSeit Jahresanfang
Take-Two202,01 $−2,6 %−21,1 %
Microsoft513,91 $+0,2 %+6,3 %

Am Tag der Veröffentlichung des Vertrags, dem 30. September, stieg Take-Two um 2,3 Prozent, heute gab die Aktie den Gewinn wieder ab. Ein klarer Zusammenhang mit dem Vertrag lässt sich daraus nicht ableiten. Für den Optionsverfall am 20. November, dem Tag nach dem GTA-6-Start, preisen die Optionen eine Bewegung von rund ±15 Prozent ein:

Take-Two, Verfall 20. NovemberWahrscheinlichkeit
über 250 $ (rund +24 %)12,9 %
über 230 $ (rund +14 %)23,1 %
über 200 $49,5 %
unter 180 $ (rund −11 %)28,9 %

Wie diese Verteilung im Detail aussieht und wie weit sie von den Kurszielen der Analysten entfernt ist, haben wir im Beitrag Take-Two bis zum GTA-6-Start ausgewertet. Den laufenden Countdown mit allen Updates führen wir in Der 8-Milliarden-Dollar-Countdown.

Einordnung

Der neue Xbox-Vertrag ist keine Wende, sondern Routine mit gutem Timing: Take-Two sichert sich ein halbes Jahr vor dem Auslaufen der alten Verträge den Zugang zu allen heutigen und künftigen Xbox-Geräten, ohne erkennbare Sonderkonditionen. Die interessantere Erkenntnis liegt eine Ebene tiefer: Microsoft ist für Take-Two einer der vier wichtigsten Kunden, und Take-Two könnte im Weihnachtsquartal für Microsofts schrumpfende Spielesparte wichtiger werden als umgekehrt. Ob das in den Zahlen sichtbar wird, zeigen Microsoft Ende Januar und Take-Two mit den Zahlen für das Weihnachtsquartal im Februar.

Quellen: Vertrag laut Meldung von Take-Two an die SEC (8-K); alte Verträge, Umsatz nach Plattform, Kundenanteile und Buchung der Store-Umsätze laut Jahresbericht von Take-Two (10-K); Xbox-Umsatz, Konsolen und Inhalte laut Jahresbericht von Microsoft (10-K) und Quartalsmitteilung; Wachstumsversprechen via Windows Central; Project Helix via Xbox Wire; Leak-Verfahren via Variety; Einordnung des Vertrags auch via GTABoom. Kurse, Kursreaktionen und die aus Optionspreisen abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten aus unseren eigenen Daten und Berechnungen, Stand 1. Oktober 2026 (laufender Handel).

Keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Aus Optionspreisen abgeleitete Wahrscheinlichkeiten sind Marktpreise und keine Prognosen. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 1. Oktober 2026.