Balkendiagramm der aus Optionspreisen abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten für den Take-Two-Kurs am 20. November 2026: 21 Prozent für 190 bis 210 Dollar und nur 7 Prozent für über 280 Dollar

Take-Two bis zum GTA-6-Start: Was der Optionsmarkt wirklich für realistisch hält

21. September 2026 · marktradar Beiträge · Optionsmarkt-Analyse

In 59 Tagen erscheint GTA 6. Die naheliegende Frage lautet: Wo steht die Take-Two-Aktie dann? Darauf gibt es zwei Antworten, und sie widersprechen sich deutlich.

Die erste kommt von den Analysten. 29 Häuser decken den Wert ab, kein einziges rät zum Verkauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 290 Dollar — gut 40 Prozent über dem aktuellen Kurs von 206,73 Dollar.

Die zweite Antwort kommt aus dem Optionsmarkt. Dort wird mit echtem Geld darauf gewettet, wo der Kurs landet, und dort ergibt sich ein völlig anderes Bild: Im Median erwartet dieser Markt zum Stichtag rund 204 Dollar — also keinen Kursgewinn. Für die Analystenziele ab 280 Dollar weist er eine Wahrscheinlichkeit von 6,7 Prozent aus.

Wir haben die Optionspreise vom heutigen Tag ausgewertet und daraus die vollständige Wahrscheinlichkeitsverteilung abgeleitet. Das Ergebnis ist die ehrlichste Antwort auf die Frage nach dem „realistischen“ Kurs, die man bekommen kann — weil dahinter keine Meinung steht, sondern Geld.

Wie man einen Optionsmarkt liest

Optionen sind Wetten auf einen Kurs zu einem Stichtag. Für Take-Two gibt es einen Verfall am 20. November — dem Tag nach dem Start von GTA 6. Besser könnte der Termin nicht liegen: Wer dort eine Option kauft oder verkauft, legt sich darauf fest, wie der Markt den Launch aufnimmt.

Zwei Kennzahlen daraus:

Die Verteilung: Wo der Kurs mit welcher Wahrscheinlichkeit landet

Aus jedem einzelnen Basispreis lässt sich die Wahrscheinlichkeit ableiten, mit der der Kurs am 20. November darüber liegt. Zusammengesetzt ergibt das diese Verteilung:

Kurs am 20. NovemberWahrscheinlichkeitgegenüber heute
unter 170 $17 %−18 % und schlechter
170 bis 190 $18 %−18 bis −8 %
190 bis 210 $21 %etwa unverändert
210 bis 230 $16 %+2 bis +11 %
230 bis 250 $12 %+11 bis +21 %
250 bis 280 $9 %+21 bis +35 %
über 280 $7 %+35 % und mehr

Drei Dinge stehen darin:

Und trotzdem kaufen die Anleger fast nur Kaufoptionen

Jetzt kommt der Teil, der die Verteilung erst interessant macht. Schaut man, welche Optionen zu diesem Verfallstermin tatsächlich offen sind, ergibt sich ein Bild, das mit den Wahrscheinlichkeiten oben kaum zusammenpasst:

Offene Positionen zum 20. NovemberKontrakte
Kaufoptionen (Calls) insgesamt43.748
Verkaufsoptionen (Puts) insgesamt9.200
davon Calls mit Basispreis 280 $ und höher34.184 (78 %)
größte Einzelposition: Call 290 $12.734
zweitgrößte: Call 280 $9.552

Auf jede Verkaufsoption kommen fünf Kaufoptionen. Und 78 Prozent aller offenen Kaufoptionen liegen bei 280 Dollar oder darüber — also genau dort, wo derselbe Markt eine Wahrscheinlichkeit von unter sieben Prozent ausweist. Die mit Abstand größte Einzelposition ist der 290-Dollar-Call mit 12.734 Kontrakten; die Wahrscheinlichkeit, dass er am Verfallstag im Geld ist, liegt bei rund fünf Prozent.

Was das bedeutet — und was nicht: Offene Positionen sagen nicht, wer auf welcher Seite steht; zu jedem Käufer gehört ein Verkäufer. Diese Ballung weit aus dem Geld ist aber das typische Muster für Lottoscheine: billige Kaufoptionen, die fast immer wertlos verfallen und im seltenen Fall das Vielfache bringen. Der 290er-Call kostet derzeit 1,40 Dollar. Wer ihn kauft, zahlt also 0,7 Prozent des Aktienkurses für eine Wette mit rund fünf Prozent Trefferchance. Für die Gegenseite — meist Market Maker — ist das ein Geschäft, und ihre Absicherung erklärt, warum solche Ballungen den Kurs beim Anstieg beschleunigen können. Genau dieser Mechanismus hat im September schon einmal funktioniert, wie wir im Take-Two-Beitrag beschrieben haben.

Zwei Termine stehen noch im Weg

Zwischen heute und dem 20. November liegen zwei Ereignisse, die die Verteilung verschieben können:

Warum der Markt so viel skeptischer ist als die Analysten

Die Lücke zwischen 290 Dollar Kursziel und 204 Dollar Markterwartung hat drei nachvollziehbare Gründe, die alle in den vergangenen Wochen dazugekommen sind:

Dem steht die Prognose des Unternehmens gegenüber: 8 bis 8,2 Milliarden Dollar Netto-Buchungen für das Geschäftsjahr, bestätigt, und Vorbestellungen, die das Management als „außergewöhnlich und beispiellos“ bezeichnet.

Was „realistisch“ heißt

Die ehrliche Antwort auf die Ausgangsfrage lautet: Realistisch ist eine Spanne, kein Kurs. Der Markt hält 170 bis 250 Dollar für den wahrscheinlichen Korridor, mit dem Schwerpunkt dort, wo die Aktie heute schon steht. Ein Sprung auf die Analystenziele ist nicht ausgeschlossen — er ist nur selten: einer von fünfzehn Fällen.

Das ist keine Aussage darüber, ob GTA 6 erfolgreich wird. Es ist eine Aussage darüber, wie viel Erfolg bereits bezahlt ist. Die beiden Fragen werden gern verwechselt, und der Unterschied zwischen ihnen ist genau die Lücke zwischen 290 und 204 Dollar.

Wer die Verteilung selbst nachrechnen möchte: Unser Optionsschein-Rechner auf der Startseite rechnet implizite Volatilität und Szenarien für beliebige Basispreise und Laufzeiten durch.

Quellen: Optionspreise, offene Positionen und implizite Volatilitäten für den Verfall am 20. November aus unseren eigenen Kursdaten, abgerufen am 21. September 2026 um 17:00 Uhr MESZ; Wahrscheinlichkeiten aus den Optionspreisen je Basispreis abgeleitet (Black-Scholes, risikoloser Zins 3,9 %, Skew berücksichtigt). Analystenkonsens via TIKR und Public.com; Quartalstermin und Prognose via TipRanks und Take-Two Investor Relations; Einordnung des Launches via Investing.com.

Keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Aus Optionspreisen abgeleitete Wahrscheinlichkeiten sind Marktpreise, keine Prognosen: Sie enthalten neben Erwartungen auch Absicherungsbedarf und Risikoaufschläge und ändern sich täglich. Optionen und Optionsscheine sind Hebelprodukte mit Totalverlustrisiko. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 21. September 2026.