Rheinmetall: Der Chef kauft für 13,6 Millionen Euro — und der Aufsichtsrat zieht nach
Am Dienstag hat Armin Papperger, Vorstandschef von Rheinmetall, erneut Aktien des eigenen Konzerns gekauft: 525 Stück zu je 950,38 Euro, zusammen knapp 500.000 Euro. Heute folgte die Sara Georgi Stiftung, die Aufsichtsrat Andreas Georgi nahesteht, mit 250 Aktien für rund 239.000 Euro. Beide Käufe stehen in den Pflichtmeldungen, die Vorstände und Aufsichtsräte bei Geschäften mit eigenen Aktien binnen drei Handelstagen veröffentlichen müssen.
Die Käufe kommen an einem Tiefpunkt: Gestern schloss die Aktie bei 945,80 Euro, so tief wie seit Februar 2025 nicht mehr. Seit Jahresanfang liegt das Minus bei 38 Prozent, vom Rekord im Herbst 2025 sind es mehr als die Hälfte. Heute erholt sich der Kurs um 2,2 Prozent auf rund 967 Euro. Ein einzelner Kauf wäre eine Randnotiz. Interessant wird er erst im Zusammenhang: Es ist Pappergers sechster Kauf in fünf Monaten.
Sechs Käufe seit Mai
| Tag | über | Kurs | Betrag | Stück | heute |
|---|---|---|---|---|---|
| 7.5. | direkt | 1.405,00 € | 0,51 Mio. € | 360 | −31 % |
| 8.5. | direkt | 1.302,98 € | 0,51 Mio. € | 390 | −26 % |
| 1.6. | ATP | 1.249,91 € | 5,00 Mio. € | 4.000 | −23 % |
| 22.6. | ATP | 1.161,46 € | 4,04 Mio. € | 3.480 | −17 % |
| 25.6. | ATP | 954,62 € | 3,04 Mio. € | 3.188 | +1 % |
| 29.9. | direkt | 950,38 € | 0,50 Mio. € | 525 | +2 % |
| Summe | Ø 1.138,55 € | 13,60 Mio. € | 11.943 | −15 % |
Die ATP Holding ist eine Vermögensverwaltung mit Sitz in Meerbusch, deren alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer Papperger ist. Die Stückzahlen haben wir aus Betrag und Kurs der Meldungen errechnet. Zu unterscheiden sind diese Käufe von den Aktien, die Papperger als Teil seiner Vergütung zugeteilt bekommt: Hier hat er eigenes Geld eingesetzt.
Das Ergebnis ist ernüchternd: Die 11.943 Aktien sind heute rund 11,5 Millionen Euro wert, gut 2 Millionen Euro weniger, als Papperger bezahlt hat. Vier der sechs Käufe liegen im Minus, die beiden zu rund 950 Euro knapp im Plus.
Was das Muster zeigt
Papperger hat nicht einmal gekauft, sondern in den Abschwung hinein nachgekauft — bei 1.405, 1.303, 1.250, 1.161 und 955 Euro. Das spricht für Überzeugung, nicht für gutes Timing. Der größte Betrag floss am 1. Juni zu 1.250 Euro, drei Wochen bevor der Kurs unter 1.000 Euro fiel.
Einmal lag er genau richtig: Der Kauf vom 25. Juni zu 955 Euro fiel ziemlich genau auf das damalige Tief. Bis Mitte August stieg die Aktie auf 1.214 Euro, rund 27 Prozent mehr. Wer damals mitgekauft hätte, hätte den Gewinn inzwischen allerdings wieder abgegeben. Jetzt steht der Kurs fast auf demselben Niveau, und Papperger kauft erneut.
Der Aufsichtsrat kauft mit
Papperger ist nicht der Einzige. In den Meldungen für 2026 finden sich ausschließlich Käufe:
- Andreas Georgi (Aufsichtsrat) kaufte im Januar, seine Vermögensverwaltung im Mai zu 1.158 Euro und im Juni zu 953 Euro, heute die Sara Georgi Stiftung zu 955 Euro.
- Ulrich Grillo (Aufsichtsrat) kaufte im Februar; Jutta Roosen-Grillo, die ihm nahesteht, im Mai und Ende Juni zu 951 Euro.
- Weitere Kaufmeldungen gab es im Februar von Marc Tüngler und im Mai von René Gansauge.
Die Beträge der Aufsichtsräte sind mit wenigen Zehn- bis Hunderttausend Euro deutlich kleiner als die des Vorstandschefs. Zur Einordnung gehört auch: Georgi hatte Anfang 2025 noch verkauft, im März 2025 für rund 1,76 Millionen Euro zu durchschnittlich 1.469 Euro. Er kauft jetzt also deutlich günstiger zurück, als er damals verkauft hat.
Warum die Aktie trotzdem fällt
Die Gründe haben wir im Beitrag Rekordaufträge, halbierter Kurs ausführlich beschrieben: Die Jahresprognose wurde auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro Umsatz gesenkt, das Fregattenprojekt F126 wurde gestrichen, und die erhofften Großaufträge kamen langsamer als angekündigt. Dazu kommt die Frage, wie lange die Rüstungsausgaben in Europa im heutigen Tempo wachsen. Eine Meldung aus dem Vorstand beantwortet keine dieser Fragen. Sie zeigt nur, wie das Management selbst die Lage einschätzt.
Was Insiderkäufe aussagen — und was nicht
- Sie zeigen Überzeugung. Wer 13,6 Millionen Euro eigenes Geld in die eigene Firma steckt, glaubt nicht an einen dauerhaften Niedergang.
- Sie sagen nichts über den Zeitpunkt. Vorstände wissen viel über ihr Geschäft, aber nicht mehr als andere über die Stimmung an der Börse, wie die ersten vier Käufe zeigen.
- Sie sind kein Hinweis auf unbekannte Nachrichten. Kaufen dürfen Insider nur, wenn sie keine unveröffentlichten kursrelevanten Informationen haben, und in den 30 Tagen vor Finanzberichten in der Regel gar nicht. Die Käufe vom 29. September und 2. Oktober liegen kurz vor dieser Sperrzeit für die Zahlen am 5. November.
Die nächsten Termine
- 5. November: Quartalsmitteilung zum dritten Quartal. Entscheidend sind die Aufträge und ob die gesenkte Jahresprognose hält.
- 25. bis 27. November: Kapitalmarkttag in Hamburg, auf dem Rheinmetall seine Ziele bis 2030 erläutern will.
Einordnung
Die Käufe von Papperger und dem Aufsichtsrat sind ein deutliches Signal: Die Führung hält die Aktie bei rund 950 Euro für günstig, und sie hat das mehrfach mit eigenem Geld unterlegt. Ein Zeitsignal sind sie nicht — vier von sechs Käufen des Chefs liegen heute im Minus. Wie Rüstungswerte mit Drohnenabwehr zusammenhängen, zeigt unser Beitrag zum Drohnenwall für Flughäfen.
Quellen: Pflichtmeldungen nach Art. 19 MAR via EQS News: Papperger, 29.09., Sara Georgi Stiftung, 02.10., ATP Holding, 25.06., 22.06., 01.06., Papperger 07.05. und 08.05.; übrige Meldungen laut EQS-Firmenseite und MarketScreener; Verkauf Georgi März 2025 via boerse.de; ATP Holding via Börse Express; Termine via finanzen.net. Stückzahlen, Durchschnittskurs, heutiger Wert, Kursveränderungen und Kurse aus unseren eigenen Daten und Berechnungen, Stand 2. Oktober 2026 (laufender Handel).
Keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Insidergeschäfte sind kein verlässlicher Hinweis auf die künftige Kursentwicklung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 2. Oktober 2026.