Balkendiagramm der Kursentwicklung seit Jahresanfang 2026: Unusual Machines plus 96 Prozent, Parrot plus 17, Motorola Solutions plus 16, Hensoldt plus 6, Draganfly minus 10, Red Cat minus 19, Ondas minus 23, Rheinmetall minus 38, AeroVironment minus 41, Kratos minus 43, DroneShield minus 45 Prozent.

Drohnenaktien: Das Pentagon kauft, die Kurse fallen — und warum Motorola Solutions die Ausnahme ist

30. September 2026 · marktradar Beiträge · Analyse

An Nachfrage fehlt es nicht. Das US-Verteidigungsministerium kauft in seinem Programm „Drone Dominance“ zehntausende billige Angriffsdrohnen und plant laut Defense Daily für die nächste Runde mindestens 450 Millionen Dollar für rund 60.000 weitere. Heimatschutzbehörden bekommen Milliarden für die Abwehr feindlicher Drohnen, und seit Dezember 2025 dürfen in den USA keine neuen Drohnen aus ausländischer Produktion mehr zugelassen werden. Für Hersteller aus den USA und ihren Partnerländern ist das ein Markt wie gemalt.

An der Börse sieht es anders aus. AeroVironment, der größte reine Drohnenhersteller der USA, liegt seit Jahresanfang 41 Prozent im Minus, Kratos 43 Prozent, der australische Abwehrspezialist DroneShield 45 Prozent. Fast alle Titel der Branche stehen 45 bis 75 Prozent unter ihrem Hoch. Eine der wenigen Ausnahmen kommt aus einer Ecke, die man nicht sofort mit Drohnen verbindet: Motorola Solutions, der Funkausrüster von Polizei und Feuerwehr, liegt 16 Prozent im Plus und hat sich in den vergangenen zwölf Monaten still zu einem der größten Anbieter für Drohnenfunk und Drohnenabwehr umgebaut.

Motorola Solutions: Drohnen als Zukauf, nicht als Wette

Motorola Solutions ist nicht das Handyunternehmen — die Marke Motorola für Smartphones gehört seit 2014 zu Lenovo. Motorola Solutions verkauft Funkgeräte, Funknetze, Leitstellensoftware und Videoüberwachung an Behörden, rund die Hälfte des Umsatzes stammt aus Software und Dienstleistungen mit langen Verträgen. In dieses Geschäft hat der Konzern binnen eines Jahres zwei Drohnenfirmen eingebaut:

Dazu kommt eine Partnerschaft mit BRINC für Einsatzdrohnen, die bei einem Notruf vor der Streife am Einsatzort sind. Rückenwind gibt ein neues US-Gesetz (Safer Skies Act), das örtlichen Polizeibehörden erstmals erlaubt, gefährliche Drohnen nicht nur zu verfolgen, sondern auch unschädlich zu machen.

Motorola Solutions, April bis Juni 2026WertVeränderung
Umsatz3,1 Mrd. $+13 %
Gewinn je Aktie (bereinigt)4,41 $+24 %
Operative Marge (bereinigt)32,9 %
Auftragsbestand15,6 Mrd. $Rekord, +11 %
Jahresprognose Umsatz12,975 Mrd. $zum zweiten Mal angehoben
Jahresprognose Gewinn je Aktie (bereinigt)17,62–17,72 $vorher 16,87–16,99 $

Die Aktie steht bei 446 Dollar, 9 Prozent unter ihrem Hoch vom 1. September. Einen klaren Auslöser für den Rückgang im September gibt es nicht; die Aktie bröckelte mit dem Gesamtmarkt, am 16. September wurde die Dividende abgetrennt, und der Konzern hat am 9. September sein Rückkaufprogramm um 2 Milliarden Dollar aufgestockt. Auf die Gewinnprognose gerechnet kostet sie das rund 25-Fache — deutlich mehr als klassische Rüstungskonzerne, aber für ein Unternehmen mit 33 Prozent Marge und wiederkehrenden Softwareerlösen nicht ungewöhnlich. Ein Risiko nennt der Konzern selbst: Speicherchips für die Funkgeräte kosten ihn dieses Jahr 150 Millionen Dollar statt 50 Millionen — der Speicherboom, über den wir bei Micron schreiben, hat also auch eine Rechnung.

Warum die reinen Drohnenwerte fallen

UnternehmenKurs 29.9.seit 1.1.vom Hoch
Unusual Machines (USA, Drohnenteile)24,94 $+95,8 %−26,8 %
Parrot (Frankreich)8,64 €+16,8 %−32,7 %
Motorola Solutions (USA)446,12 $+16,4 %−9,2 %
Hensoldt (Deutschland, Sensorik)77,76 €+5,9 %−31,7 %
Draganfly (Kanada)6,20 $−10,3 %−55,0 %
Red Cat (USA)6,45 $−18,7 %−62,8 %
Ondas (USA)7,48 $−23,4 %−46,6 %
Rheinmetall (Deutschland)965,70 €−38,1 %−51,4 %
AeroVironment (USA)143,24 $−40,8 %−65,0 %
Kratos (USA)43,05 $−43,3 %−67,1 %
DroneShield (Australien)1,70 A$−44,8 %−74,2 %

Die Geschäfte selbst wachsen fast überall. Dass die Kurse trotzdem fallen, hat vier Gründe, die sich gegenseitig verstärken:

Die Sonderfälle

Unusual Machines ist mit fast 96 Prozent Plus der Ausreißer nach oben. Das Unternehmen stellt Motoren und Bauteile her — genau das, was seit dem Einfuhrstopp für ausländische Drohnenkomponenten knapp ist. Dazu kommt Politik: Donald Trump Jr. sitzt im Beirat, und im Mai sprang die Aktie um zwei Drittel, als das Wall Street Journal berichtete, das Pentagon erwäge eine Finanzierung mit staatlicher Beteiligung. Ein solcher Vertrag ist bis heute nicht bestätigt. Das Unternehmen macht bei rund 11 Millionen Dollar Umsatz Verluste, und die Nähe zur Präsidentenfamilie zieht Fragen nach Interessenkonflikten nach sich. Das ist eine Aktie, deren Kurs an Politik hängt, nicht an Zahlen.

DroneShield ist das Gegenbeispiel: Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 74 Prozent auf 126 Millionen australische Dollar, aber die Profitabilität verschlechterte sich deutlich, und die Aktie hat drei Viertel ihres Werts verloren. Heute legte sie um gut 5 Prozent zu, nachdem das Unternehmen Zugang zu einem dreijährigen US-Rahmenvertrag über bis zu 500 Millionen Dollar erhielt. Ein Rahmenvertrag ist allerdings eine Zulassung, keine Bestellung. Die Einschätzungen der Analysten reichen von 1,45 bis 2,60 australischen Dollar.

In Deutschland spiegeln Hensoldt (Sensoren, Radare, auch zur Drohnenabwehr) und Rheinmetall die Rüstungsstimmung eher als das Drohnengeschäft. Rheinmetall hat die Hälfte seines Werts vom Hoch verloren; warum, haben wir in unserem Beitrag zur Korrektur beschrieben.

Der Einfuhrstopp als Rückenwind — mit Ablaufdatum

Seit dem 22. Dezember 2025 stehen praktisch alle im Ausland gebauten Drohnen und ihre wichtigsten Bauteile auf der sogenannten Covered List der US-Fernmeldebehörde FCC. Neue Modelle erhalten keine Zulassung mehr und dürfen nicht importiert werden; betroffen ist vor allem der Weltmarktführer DJI aus China. Bereits zugelassene Geräte dürfen weiter verkauft und geflogen werden, die Lagerbestände im Handel laufen aber aus. DJI klagt dagegen. Für US-Hersteller ist das der größte strukturelle Vorteil der Branche — allerdings gilt eine Ausnahmeregelung für geprüfte Hersteller aus den USA und verbündeten Ländern zunächst nur bis zum 1. Januar 2027. Wie es danach weitergeht, ist offen.

Einordnung

Drohnen sind 2026 das Paradebeispiel für eine Branche, in der die These stimmt und die Aktien trotzdem verlieren. Die Nachfrage ist real, die Budgets steigen, die Konkurrenz aus China ist per Gesetz ausgesperrt. Aber die Kurse hatten Anfang des Jahres Jahre an Wachstum vorweggenommen, und jetzt müssen die Unternehmen liefern — in Stückzahlen, mit Margen und ohne ständig neue Aktien auszugeben. Motorola Solutions zeigt die andere Herangehensweise: kein Wettrennen um Pentagon-Aufträge, sondern Spezialisten zukaufen und in ein profitables Geschäft mit Polizei, Städten und Infrastruktur einbauen. Das ist weniger spektakulär, aber es ist der einzige der großen Werte auf dieser Liste, der in diesem Jahr gestiegen ist. Die nächsten Prüfsteine sind die Haushaltsverhandlungen bis zum 11. Dezember, die dritte Runde des Drone-Dominance-Programms im Oktober und die Quartalszahlen im November.

Quellen: Motorola Solutions laut Quartalsmitteilung, DroneLife (D-Fend) und Yahoo Finance (Silvus, Konferenz); Drone-Dominance-Programm via Defense Daily und drone-warfare.com; AeroVironment laut Quartalsmitteilung und Telefonkonferenz; Kratos via TIKR; Red Cat und Ondas via Yahoo Finance; Unusual Machines via CNBC und Reuters via US News; DroneShield via Investing.com; FCC-Entscheidung laut FCC und Wiley; Ausnahmeregelung via UAV Coach. Kurse, Kursentwicklung und Bewertung aus unseren eigenen Daten und Berechnungen, Stand 29. September 2026 (Schlusskurse; DroneShield Schluss 30. September in Sydney).

Keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Die genannten Nebenwerte schwanken stark, viele sind nicht profitabel und finanzieren sich über Kapitalerhöhungen. Angaben zu Aufträgen und Rahmenverträgen beruhen auf Unternehmensangaben und Berichten; ein Rahmenvertrag ist keine Bestellung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 30. September 2026.