Tilray vor den Zahlen: Rekordumsatz, Rekordtief — worauf es am Donnerstag ankommt
Tilray legt am Donnerstag, 8. Oktober, vor US-Börsenbeginn die Zahlen für das erste Geschäftsquartal vor (Juni bis August), die Telefonkonferenz beginnt um 14:30 Uhr deutscher Zeit. Die Ausgangslage ist ungewöhnlich: Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte der Cannabis- und Getränkekonzern einen Rekordumsatz, die Aktie dagegen schloss am 1. Oktober so tief wie nie in den vergangenen fünf Jahren. Mit 3,72 Dollar liegt sie 59 Prozent unter dem Jahresanfang und 82 Prozent unter dem Hoch vom Oktober 2025.
Die Erwartungen sind entsprechend niedrig. Laut MarketBeat rechnen Analysten mit rund 268 Millionen Dollar Umsatz und einem Verlust von 16 Cent je Aktie. Was darüber hinaus zählt, zeigen wir hier.
Was erwartet wird
| Kennzahl | Erwartung Q1 | Vorquartal (Q4) | Vorjahresquartal |
|---|---|---|---|
| Umsatz | ~268 Mio. $ | 281,7 Mio. $ | 210 Mio. $ |
| Ergebnis je Aktie | −0,16 $ | −0,43 $ | – |
| Bereinigtes Ebitda | – | 31,9 Mio. $ | – |
Ein Umsatzplus von rund 27 Prozent zum Vorjahr klingt stark, kommt aber zum großen Teil aus Zukäufen: Die schottische Brauerei BrewDog gehört seit März zu Tilray und brachte allein im vierten Quartal 51 Millionen Dollar Umsatz. Für das Gesamtjahr hat Tilray ein bereinigtes Ebitda von 68 bis 75 Millionen Dollar in Aussicht gestellt, nach 61,1 Millionen im Vorjahr. Ob das Unternehmen diese Spanne bestätigt, dürfte am Donnerstag mehr zählen als die Quartalszahl selbst.
Die vier Geschäfte
Tilray ist längst kein reiner Cannabis-Konzern mehr. Im vierten Quartal sah die Aufteilung so aus:
| Sparte | Umsatz Q4 | Lage |
|---|---|---|
| Getränke | 105,6 Mio. $ | +61 %, davon 51,1 Mio. von BrewDog; Bruttomarge im Jahr gesunken (36 nach 39 %) |
| Pharma-Großhandel (CC Pharma) | 85,0 Mio. $ | Arzneimittel-Vertrieb in Deutschland, wächst, aber nur 12 % Bruttomarge |
| Cannabis | 71,5 Mio. $ | +5 %, Bruttomarge 44 %; Großhandel −60 %, Medizin in Kanada −5 % |
| Wellness (Hanf-Lebensmittel) | 19,7 Mio. $ | +16 % |
Der margenstärkste Teil, Cannabis, ist also der kleinste Wachstumstreiber. Lichtblick ist das internationale Medizingeschäft: Im Gesamtjahr wuchs es um 34 Prozent auf rund 85 Millionen Dollar, in Deutschland und Großbritannien jeweils um 25 Prozent, in Polen um 73 Prozent — trotz eines Preisverfalls, der Tilray nach eigenen Angaben rund 21 Millionen Dollar kostete. Die Anbauanlage in Neumünster ist voll ausgelastet.
Worauf es am Donnerstag ankommt
- Die Jahresprognose: Bestätigt Tilray 68 bis 75 Millionen Dollar Ebitda, wäre das nach dem Kursverfall schon ein Signal. Eine Senkung würde die These vom profitablen Mischkonzern weiter schwächen.
- Cannabis in Kanada: Wächst die Sparte schneller als 5 Prozent, und hält die Marge? Der Preisdruck im Großhandel hat zuletzt stark belastet.
- Deutschland: Das Medizinal-Cannabisgesetz mit Versandverbot und Pflicht zum Arztbesuch hängt weiter im Bundestag fest. Wie Tilray die Nachfrage und die Preise hierzulande einschätzt, ist für die Europa-Strategie entscheidend.
- BrewDog: Gelingt die Eingliederung, und steigt die Getränkemarge wieder?
- Neue Aktien: Ende Juli waren 136,2 Millionen Aktien im Umlauf, nach rund 116 Millionen direkt nach dem Zusammenschluss im Dezember — ein Plus von rund 17 Prozent, vor allem durch die BrewDog-Übernahme. Jede weitere Kapitalerhöhung drückt auf den Wert je Aktie.
Bewertung und Erwartungen
Beim aktuellen Kurs ist Tilray an der Börse rund 507 Millionen Dollar wert. Die Netto-Verschuldung lag Ende Mai praktisch bei null, die Barmittel bei 234,6 Millionen Dollar. Gemessen an der Mitte der Ebitda-Prognose entspricht das etwa dem Siebenfachen des erwarteten Ebitda. Das ist für ein Unternehmen mit Rekordumsatz niedrig — der Markt traut der Prognose offenbar nicht oder rechnet mit weiterer Verwässerung.
Die Analysten sind zurückhaltend: Im Schnitt lautet die Empfehlung „Halten“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 7 Dollar. Zacks hat die Aktie am 1. Oktober auf „Strong Sell“ gesenkt. Der Optionsmarkt rechnet bis Freitag mit einer Bewegung von rund ±11 Prozent. Die vergangenen vier Zahlentage brachten +22,1 Prozent (Oktober 2025, mitten in einer Rallye der ganzen Branche), +0,5, −5,1 und −1,0 Prozent.
Der größere Rahmen
Von der Lockerung in den USA hat Tilray bisher nicht profitiert. Medizinisches Cannabis ist dort seit April in der milderen Stufe Schedule III, davon haben vor allem US-Betreiber wie Trulieve und Curaleaf gewonnen. Tilray verdient in den USA vor allem mit Bier und Hanf-Lebensmitteln. Gleichzeitig ordnet sich Kanadas Branche neu: Curaleaf hat sein feindliches Angebot für den Konkurrenten Aurora am Montag auf 5 Dollar je Aktie erhöht. Mehr dazu in unserem Überblick zu Cannabis-Aktien. Nach den Zahlen ordnen wir hier ein, wie die Aktie reagiert.
Quellen: Termin laut Tilray; Erwartungen via MarketBeat; Zahlen des vierten Quartals und Prognose laut Tilray und Yahoo Finance (Telefonkonferenz); Aktienzahl und Wandelanleihen laut Jahresbericht 10-K; Analysten via ad-hoc-news und ad-hoc-news (Zacks); Aurora-Angebot via Investing.com. Zahlentage laut Meldungen bei der SEC; Kurse, Kursreaktionen, Börsenwert, Bewertung und die aus Optionspreisen abgeleitete Erwartung aus unseren eigenen Daten und Berechnungen, Stand 6. Oktober 2026 (Schlusskurs 5. Oktober).
Keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Erwartungswerte sind Schätzungen von Analysten, keine Prognosen mit Gewähr. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 6. Oktober 2026.