Strategy (MicroStrategy): Erst Bitcoin verkauft, dann die Aktie fast verdoppelt
Die Aktie von Strategy, bis 2025 MicroStrategy, hat die Woche bei 158,61 Dollar beendet. Am 26. Juni lag sie noch bei 82,31 Dollar. Seitdem hat sie sich fast verdoppelt (+93 Prozent), während Bitcoin im selben Zeitraum um rund 40 Prozent gestiegen ist. Vom Rekordniveau im Oktober 2025 ist die Aktie trotzdem weit entfernt: Sie liegt 56 Prozent darunter, Bitcoin 33 Prozent.
Dazwischen liegt der Sommer, in dem der größte Bitcoin-Käufer der Welt zum Verkäufer wurde. Einen kleinen, steuerlich motivierten Verkauf von 704 Bitcoin hatte es zuletzt im Dezember 2022 gegeben. Wie es dazu kam, was sich seitdem verändert hat und was die Aktie heute kostet, lässt sich aus den wöchentlichen Pflichtmeldungen an die US-Börsenaufsicht SEC recht genau nachzeichnen.
Juni: Bitcoin unter dem Einstandspreis
Strategy hat seine Bitcoin im Durchschnitt für rund 75.600 Dollar gekauft. Ende Juni fiel der Kurs unter 60.000 Dollar. Der gesamte Bestand war damit rund ein Fünftel weniger wert, als er gekostet hatte. Im zweiten Quartal stand deshalb ein Buchverlust von 8,3 Milliarden Dollar.
Gefährlicher war etwas anderes. Strategy finanziert seine Käufe seit 2025 zu einem großen Teil mit Vorzugsaktien, die feste Dividenden zahlen — die wichtigste heißt STRC, hat einen Nennwert von 100 Dollar und zahlt derzeit 12 Prozent im Jahr. Am 26. Juni fiel STRC im Handelsverlauf bis auf 71,25 Dollar. Damit war dieser Finanzierungsweg praktisch verschlossen: Wer neue Vorzugsaktien ausgibt, während die alten 29 Prozent unter Nennwert notieren, zahlt dafür einen extrem hohen Preis. An diesem Tag war die Strategy-Aktie an der Börse nur noch rund 60 Prozent des Bitcoin-Bestands wert (eigene Berechnung aus Aktienzahl und Bitcoin-Kurs).
Die Antwort: ein neues Regelwerk — und Verkäufe
Am 29. Juni stellte Strategy einen „Digital Credit Capital Framework“ vor. Die fünf Bausteine:
- Dollar-Reserve: Sie darf nur für Dividenden und Zinsen verwendet werden und muss mindestens zwölf Monate dieser Zahlungen abdecken.
- STRC-Dividende: angehoben auf 12 Prozent und künftig monatlich überprüft.
- Rückkauf von Vorzugsaktien: zunächst bis zu 1 Milliarde Dollar, im September auf 2 Milliarden verdoppelt.
- Rückkauf eigener Aktien: bis zu 1 Milliarde Dollar, bisher nicht genutzt.
- Bitcoin-Verkäufe: erlaubt, um die Reserve aufzufüllen, Dividenden zu zahlen und Rückkäufe zu finanzieren.
Der letzte Punkt wurde sofort umgesetzt. Die Wochenmeldungen im Überblick:
| Zeitraum | Bitcoin | Durchschnittspreis | Wofür |
|---|---|---|---|
| 29.–30. Juni | −1.363 | 59.256 $ | Dividenden, Reserve |
| 1.–5. Juli | −2.225 | 60.773 $ | Dividenden, Reserve |
| 27. Juli – 2. Aug. | −1.638 | 63.957 $ | Dividenden, STRC-Rückkauf |
| 3.–9. August | −1.690 | 64.262 $ | STRC-Rückkauf |
| 24.–30. August | +4.603 | 80.318 $ | Kauf aus Aktienverkäufen |
| 14.–20. September | +950 | 79.670 $ | Kauf aus Barmitteln |
Unter dem Strich hat Strategy 6.916 Bitcoin zu durchschnittlich rund 62.000 Dollar verkauft und 5.553 zu rund 80.200 Dollar zurückgekauft. Der Bestand liegt mit 846.000 Bitcoin wieder genau dort, wo er am 30. Juni lag. Im Nachhinein war das ein Verkauf tief und ein Rückkauf hoch — allerdings keiner aus freien Stücken: Die Verkäufe sollten verhindern, dass Strategy neue Aktien zum Tiefstkurs ausgeben muss, um Dividenden zu bezahlen.
Wohin das Geld der Aktionäre floss
Zwischen dem 22. Juni und dem 30. August hat Strategy 61,5 Millionen neue Aktien über die Börse verkauft und damit 6,3 Milliarden Dollar eingenommen, im Schnitt rund 103 Dollar je Aktie. Früher wäre dieses Geld fast vollständig in Bitcoin geflossen. Diesmal nicht: Direkt aus Aktienverkäufen wurden nur rund 370 Millionen Dollar in Bitcoin angelegt. Der größere Teil ging in die Dollar-Reserve, die von 2,55 Milliarden (Ende Juni) auf 5,04 Milliarden Dollar wuchs, in ein zusätzliches Barmittelpolster (zuletzt 1,05 Milliarden Dollar) und in den Rückkauf von STRC. Seit Ende August hat Strategy keine neuen Aktien mehr verkauft.
Das hat eine Folge, die in Strategys eigenen Kennzahlen kaum auffällt. Strategy meldet für 2026 eine „BTC-Rendite“ von 4,5 Prozent (Stand Ende Juli). Diese Kennzahl rechnet mit einer Aktienzahl, in der alle Wandelanleihen bereits als in Aktien umgewandelt gelten. Teilt man den Bitcoin-Bestand schlicht durch die tatsächlich ausgegebenen Aktien, sieht es anders aus:
| 31. Dez. 2025 | Mitte Sept. 2026 | Veränderung | |
|---|---|---|---|
| Bitcoin-Bestand | 672.500 | 846.000 | +25,8 % |
| Aktien (Klasse A und B) | 312,1 Mio. | 420,5 Mio. | +34,7 % |
| Bitcoin je 1.000 Aktien | 2,155 | 2,012 | −6,6 % |
Die Zahl der Aktien ist in diesem Jahr schneller gewachsen als der Bitcoin-Bestand. Wer seit Jahresanfang eine Strategy-Aktie hält, besitzt über sie heute weniger Bitcoin als im Januar.
Was die Aktie heute kostet
Strategy ist mehr als die Summe seiner Bitcoin. Vor den Aktionären stehen Wandelanleihen und Vorzugsaktien, dafür liegt Geld in der Kasse. Unsere Rechnung mit den Freitagskursen und den Angaben aus den SEC-Meldungen:
| Stand 25. September 2026 | Mrd. $ |
|---|---|
| 846.000 Bitcoin zu 83.870 $ | 70,95 |
| + Dollar-Reserve und Barmittel | 6,09 |
| − Wandelanleihen | −6,71 |
| − Vorzugsaktien STRC, STRF, STRK, STRD (Nennwert) | −13,54 |
| = Wert, der den Aktionären zusteht | 56,79 |
| je Aktie | 135,05 $ |
| Börsenkurs | 158,61 $ |
Die Aktie kostet also rund 17 Prozent mehr als der Bitcoin-Wert, der den Aktionären rechnerisch zusteht. Umgekehrt gesagt: Der heutige Kurs ergibt sich, wenn Bitcoin bei rund 95.600 Dollar stünde — 14 Prozent über dem aktuellen Stand. Ende Juni lag die Aktie nach unserer Überschlagsrechnung sogar leicht unter dem rechnerischen Wert.
Die oft zitierte Aussage, Strategy sei „billiger als seine Bitcoin“, stimmt deshalb nur auf den ersten Blick. Der Börsenwert von 66,7 Milliarden Dollar liegt zwar unter dem Wert des Bestands von 71 Milliarden. Aber 20 Milliarden Dollar an Anleihen und Vorzugsaktien haben Vorrang vor den Aktionären.
Warum die Aktie stärker schwankt als Bitcoin
Anleihen und Vorzugsaktien sind feste Beträge. Jede Bewegung des Bitcoin-Kurses trifft deshalb voll den Rest, der den Aktionären gehört. Nach heutigem Stand verschiebt ein Bitcoin-Plus oder -Minus von 10 Prozent den rechnerischen Wert je Aktie um rund 12,5 Prozent. Dazu kommt, dass auch der Aufschlag selbst schwankt: Ende Juni war er verschwunden, heute liegt er bei 17 Prozent. Beides zusammen erklärt, warum die Aktie seit Juni mehr als doppelt so stark gestiegen ist wie Bitcoin — und warum sie zuvor vom Oktober bis Ende Juni um 76 Prozent gefallen war, Bitcoin nur um 50 Prozent.
Der Optionsmarkt sieht das genauso. Für Dezember preisen die Optionen auf Strategy eine Schwankungsbreite von rund 70 Prozent aufs Jahr gerechnet ein, beim Bitcoin-ETF von BlackRock (IBIT) sind es rund 40 Prozent.
Die Rechnung, die jedes Jahr fällig wird
Die Vorzugsaktien kosten Geld, und zwar laufend. Aus den ausstehenden Stückzahlen und den Dividendensätzen (STRC 12 Prozent, STRF und STRD je 10 Prozent, STRK 8 Prozent) plus den Zinsen auf die Wandelanleihen ergeben sich nach unserer Rechnung rund 1,55 Milliarden Dollar im Jahr. Zum aktuellen Kurs sind das etwa 18.500 Bitcoin. Im zweiten Quartal allein zahlte Strategy 401 Millionen Dollar Dividenden auf Vorzugsaktien.
Das Softwaregeschäft, mit dem MicroStrategy einmal groß wurde, deckt davon nur einen kleinen Teil: Es brachte im zweiten Quartal 122 Millionen Dollar Umsatz und 82 Millionen Dollar Rohertrag. Der Rest muss aus neuen Aktien, neuen Vorzugsaktien oder Bitcoin-Verkäufen kommen. Die Dollar-Reserve von 5,04 Milliarden Dollar reicht für gut drei Jahre.
Strategy selbst nennt den Maßstab offen: Bitcoin müsse im Jahr um mehr als rund 10,8 Prozent steigen (Stand Juli), damit der Bitcoin-Wert je Aktie nach Abzug der Finanzierungskosten schneller wächst als Bitcoin selbst. Für die Vorzugsaktionäre ist das Polster dagegen groß: Erst unter rund 16.700 Dollar je Bitcoin wären Anleihen und Vorzugsaktien nicht mehr vollständig gedeckt.
Tägliche Dividenden: der nächste Versuch für STRC
Am 24. September hat der Verwaltungsrat eine außerordentliche Hauptversammlung angesetzt. Sie soll am 28. Oktober virtuell stattfinden. Die Aktionäre sollen beschließen, dass die vier Vorzugsaktien ihre Dividende künftig täglich auszahlen, jeweils am nächsten Geschäftstag. Höhe und Satz der Dividenden bleiben gleich. Erste tägliche Zahlung für STRC wäre der 2. November, für die anderen drei Papiere der 4. Januar 2027.
Ziel ist laut Strategy, STRC dauerhaft nahe 100 Dollar zu halten. Die Vorzugsaktie hat sich seit Juni auf 98,54 Dollar erholt, den Nennwert aber noch nicht wieder erreicht. Erst wenn STRC wieder bei 100 Dollar notiert, kann Strategy neue Vorzugsaktien zu vernünftigen Kosten ausgeben — und damit Bitcoin wieder in großem Stil kaufen, ohne die Aktionäre durch neue Aktien zu verwässern.
Was der Optionsmarkt bis Dezember erwartet
Für den Verfall am 18. Dezember preisen die Optionen eine Bewegung von rund ±26 Prozent ein. Daraus abgeleitete Wahrscheinlichkeiten:
| Verfall 18. Dezember | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|
| über 200 $ | 20,8 % |
| über dem aktuellen Kurs von 158,61 $ | 44,4 % |
| unter 135 $ (rechnerischer Bitcoin-Wert je Aktie) | 36,5 % |
| unter 100 $ | 12,8 % |
Dass die Wahrscheinlichkeit für einen höheren Kurs unter 50 Prozent liegt, ist bei stark schwankenden Werten normal: Ein Teil der Wahrscheinlichkeit steckt in wenigen, sehr großen Anstiegen.
Einordnung
Strategy hat den Sommer überstanden, ohne eine Dividende auszusetzen, und sich dafür ein Polster von 5 Milliarden Dollar zugelegt. Der Preis dafür war hoch: Bitcoin zum Tiefpreis verkauft, 61,5 Millionen neue Aktien ausgegeben und seit Jahresanfang weniger Bitcoin je Aktie. Die Erholung der Aktie ist zum größten Teil eine Folge des steigenden Bitcoin-Kurses, verstärkt durch die Hebelwirkung der festen Verpflichtungen und den zurückgekehrten Aufschlag.
Genau diese Hebelwirkung funktioniert in beide Richtungen. Wer die Aktie statt Bitcoin selbst hält, wettet nicht nur auf Bitcoin, sondern auch darauf, dass der Aufschlag bleibt und dass Strategy seine jährlichen Zahlungen weiter finanzieren kann. Ob Bitcoin selbst Rückenwind hat, haben wir hier untersucht: Das Signal von 2019 und 2023 — und die zwei Male, in denen es danebenlag. Nächste Termine: die Wochenmeldung am Montag, die Abstimmung am 28. Oktober und die Quartalszahlen, in denen nach heutigem Kurs ein Buchgewinn von rund 20 Milliarden Dollar stehen dürfte, weil Bitcoin seit Ende Juni um mehr als 40 Prozent gestiegen ist.
Quellen: wöchentliche Meldungen von Strategy an die SEC (Form 8-K) vom 29. Juni, 6. Juli, 3. August, 10. August, 31. August und 21. September sowie die übrigen Wochenmeldungen seit Juni; Quartalsmitteilung vom 30. Juli; Aktienzahlen aus dem Quartalsbericht (10-Q), dem Jahresbericht 2025 und der Einladung zur außerordentlichen Hauptversammlung; tägliche Dividenden: Meldung vom 25. September und CoinDesk. Bitcoin-Bestand zum Jahresende 2025 laut Jahresbericht. Wert je Aktie, Bitcoin je Aktie, jährliche Zahlungen, Hebelwirkung und Deckungsgrenze sind eigene Berechnungen aus diesen Angaben; Vorzugsaktien zum Nennwert von 100 Dollar, Stückzahlen Stand 15. September. Kurse, Kursverlauf und die aus Optionspreisen abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten aus unseren eigenen Daten, Stand 25. September 2026 (US-Börsenschluss).
Keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Die Berechnungen beruhen auf Unternehmensangaben mit unterschiedlichen Stichtagen und sind Näherungen. Aus Optionspreisen abgeleitete Wahrscheinlichkeiten sind Marktpreise und keine Prognosen. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 27. September 2026.