Liniendiagramm der Nike-Aktie seit 2021: Rekord bei 177,51 Dollar im November 2021, markiert der Amtsantritt von Elliott Hill im Oktober 2024 und der Kurssturz um 15,5 Prozent nach den Zahlen im März 2026, zuletzt 35,70 Dollar.

Nike vor den Zahlen: Minus 80 Prozent seit dem Rekord — was jetzt noch schiefgehen kann

30. September 2026 · marktradar Beiträge · Vorschau

Nike legt am Donnerstag nach US-Börsenschluss, gegen 22:15 Uhr MESZ, die Zahlen für das erste Quartal seines Geschäftsjahres vor (Juni bis August). Die Aktie geht mit einem Kurs von rund 35,70 Dollar hinein — 44 Prozent unter dem Jahresanfang, 80 Prozent unter dem Rekord von November 2021 und so tief wie seit 2013 nicht mehr. Vor zehn Tagen hat Nike nach 18 Jahren den S&P 100 verlassen.

Die Frage für Donnerstag ist deshalb weniger, ob Nike die Erwartungen schlägt. Sie ist, ob das Management zum dritten Mal in Folge den Ausblick senken muss — oder ob sich der Boden zeigt, auf den Anleger seit zwei Jahren warten.

Wo Nike steht

Elliott Hill, der im Oktober 2024 als Konzernchef aus dem Ruhestand zurückkehrte, hat Nike einen Umbau verordnet: weg von Rabattaktionen und dem Fokus auf den eigenen Onlineshop, zurück zu Sportprodukten und zum Handel über Sportgeschäfte. Die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres (bis Ende Mai 2026) zeigen, wie weit der Weg noch ist:

Nike, März bis Mai 2026 (4. Quartal)WertVeränderung
Umsatz11,0 Mrd. $−1 % (währungsbereinigt −4 %)
davon Großhandel6,6 Mrd. $+4 %
davon eigene Läden und Onlineshop4,1 Mrd. $−7 %
Bruttomarge ohne Zoll-Sondereffekt40,2 %−0,1 Punkte
Gewinn je Aktie ohne Sondereffekt0,20 $erwartet waren 0,13 $
Umsatz Geschäftsjahr46,4 Mrd. $unverändert
Gewinn je Aktie Geschäftsjahr ohne Sondereffekt1,58 $

Der Großhandel wächst wieder — das ist die Wende, die Hill wollte. Aber das eigene Direktgeschäft schrumpft, und in China, früher Nikes profitabelste Region, brach der Umsatz um 12 Prozent ein. Nike räumt dort die Lager der Händler auf und nimmt dafür bewusst weniger Umsatz in Kauf; das soll das ganze laufende Geschäftsjahr dauern. Hill nennt China selbst „den längsten Weg“ der Erholung.

Ein Wort zum Sondereffekt: Nachdem der Oberste Gerichtshof im Februar viele Zölle für unrechtmäßig erklärt hatte, rechnet Nike mit einer Erstattung von 986 Millionen Dollar. Das hob die ausgewiesene Bruttomarge im vierten Quartal auf 49,2 Prozent und den Gewinn je Aktie auf 0,72 Dollar. Wer Nike vergleichen will, muss diese Einmalzahlung herausrechnen, und die meisten Analysten tun das.

Was erwartet wird

Nike hat für das Quartal selbst einen Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich angekündigt, dazu erstmals seit Langem eine leicht steigende Bruttomarge, weil Kostensenkungen in der Lieferkette greifen. Beim Gewinn je Aktie hatte der Konzern für die nächsten Quartale ohne Zollerstattung Stagnation in Aussicht gestellt.

1. Quartal (Juni bis August)KonsensJefferies
Umsatz11,32–11,35 Mrd. $ (−3 %)11,5 Mrd. $
Gewinn je Aktie0,44 $0,48 $

Die Latte liegt also niedrig. Nike hat den Konsens im letzten Quartal um mehr als die Hälfte geschlagen, und Jefferies rechnet wieder mit einem Übertreffen. Die Bank of America hat die Aktie dagegen auf „Underperform“ gesenkt, weil sie länger anhaltende Umsatzrisiken sieht.

Worauf es am Donnerstag ankommt

Wie die Aktie bisher reagiert hat

Zahlen vomReaktion am Folgetag
1. Oktober 2024−6,8 %
19. Dezember 2024−0,2 %
20. März 2025−5,5 %
26. Juni 2025+15,2 %
30. September 2025+6,4 %
18. Dezember 2025−10,5 %
31. März 2026−15,5 %
30. Juni 2026+4,9 %

Fünf von acht Zahlentagen seit Hills Amtsantritt endeten mit Verlusten, zwei davon zweistellig. Die Ausschläge nach oben kamen jeweils, wenn Nike den Ausblick hielt und die Erwartungen niedrig waren — so wie jetzt.

Was der Optionsmarkt erwartet

Für den Verfall am Freitag, 2. Oktober, preisen die Optionen eine Bewegung von rund ±8,3 Prozent ein:

Verfall 2. OktoberWahrscheinlichkeit
über 40 $ (rund +12 %)13,7 %
über 38 $26,4 %
unter 33 $ (rund −8 %)22,3 %
unter 32 $13,1 %

Was die Aktie kostet

Auf den Gewinn des abgelaufenen Jahres ohne Zollerstattung (1,58 Dollar) kostet Nike rund das 23-Fache — für ein schrumpfendes Unternehmen nicht billig, für eine Weltmarke am Tiefpunkt eines Zyklus aber auch nicht hoch. Auffällig ist die Dividende: Nike zahlt 0,41 Dollar je Quartal, im Jahr also 1,64 Dollar, beim aktuellen Kurs eine Rendite von 4,6 Prozent. Das ist mehr, als der Konzern ohne den Zoll-Sondereffekt zuletzt je Aktie verdient hat. Solange der Gewinn nicht wieder steigt, zahlt Nike die Dividende also zum Teil aus der Substanz. Eine Kürzung ist nicht angekündigt, aber ein Thema, das die Analysten am Donnerstag ansprechen dürften.

Einordnung

Nike ist 2026 eine Aktie, die niemand mehr haben will: aus dem S&P 100 gefallen, von der Bank of America abgestuft, auf dem Kursniveau von 2013. Das Geschäft ist allerdings keines, das verschwindet — 46 Milliarden Dollar Umsatz, ein wieder wachsender Großhandel, eine Marke, die weltweit jeder kennt. Die Frage ist nur, wie lange der Umbau dauert und was er kostet. Ein Ausblick, der den Boden bestätigt, könnte bei so niedrigen Erwartungen reichen, um die Aktie deutlich nach oben zu drücken, wie im Juni 2025. Eine weitere Senkung würde das Muster von März 2026 wiederholen. Nach den Zahlen ordnen wir hier ein.

Quellen: Zahlen des vierten Quartals laut Mitteilung von Nike und CNBC; Termin laut Nike; Konsens und Analysten via Benzinga, TradingKey und Proactive (Jefferies); China und Finanzchef via Yahoo Finance (Morningstar); Investorentag via Zacks via Yahoo Finance; Indexaustritt aus unserem Wochenausblick vom 20. September. Kursreaktionen, Bewertung, Dividendenrendite, Kurse und die aus Optionspreisen abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten aus unseren eigenen Daten und Berechnungen, Stand 30. September 2026 (laufender Handel).

Keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Erwartungswerte sind Analystenschätzungen, keine Prognosen mit Gewähr. Aus Optionspreisen abgeleitete Wahrscheinlichkeiten sind Marktpreise und keine Prognosen. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 30. September 2026.