McDonald’s: Rekordhoch am Tag vor dem Krieg — seither 30 Prozent verloren
Der Investorentag in Chicago sollte der Moment werden, an dem McDonald’s die Wende erklärt. Die Analysten von Jefferies hatten ihn vorab als möglicherweise „entscheidendes Klärungsereignis“ bezeichnet. Die Börse hat ihr Urteil noch am selben Tag gefällt: Die Aktie fiel am Mittwoch um 5,1 Prozent auf 237,57 Dollar. So tief stand sie zuletzt im Oktober 2022.
Der Absturz hat eine bemerkenswerte Vorgeschichte. Ihren Rekord erreichte die Aktie am 27. Februar mit 341,06 Dollar — dem letzten Handelstag vor Beginn des Iran-Kriegs. Seitdem hat sie 30 Prozent verloren. Seit Jahresanfang steht ein Minus von 22 Prozent, während der S&P 500 um 13 Prozent zugelegt hat. Was ist passiert?
Das Problem heißt USA
Im zweiten Quartal stieg der vergleichbare Umsatz in den USA, dem mit Abstand wichtigsten Markt, nur um 0,8 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es 2,5 Prozent. Entscheidend ist, woraus sich das kleine Plus zusammensetzt: Die Gäste zahlten im Schnitt mehr pro Besuch, aber es kamen weniger Gäste. Weltweit lag der vergleichbare Umsatz bei plus 1,3 Prozent.
Das Management sieht die Ursache vor allem bei sich selbst. Zu viele Aktionen gleichzeitig, uneinheitliche Preise der Franchisenehmer und eine verwirrende Speisekarte hätten die Abläufe in den Restaurants überlastet. „Wir haben kein Strategieproblem“, sagte Vorstandschef Chris Kempczinski. „Wir haben im zweiten Quartal einfach nicht so umgesetzt, wie wir es mussten.“ Die Leitung des US-Geschäfts wurde ausgetauscht, und das Ziel, weltweit 50.000 Restaurants zu erreichen, rückte von 2027 auf 2028 — auch wegen gestiegener Baukosten.
Auf Konzernebene sehen die Zahlen dennoch solide aus: Umsatz plus 4 Prozent, Gewinn je Aktie 3,32 Dollar (bereinigt 3,38 Dollar), jeweils 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ist das Paradox dieser Aktie: Das Geschäft schrumpft nicht, aber es wächst dort nicht mehr, wo die Bewertung Wachstum unterstellt hatte.
Der Plan vom Investorentag
Die Antwort, die McDonald’s am Mittwoch präsentierte, ist vor allem eine Investition in die eigenen Restaurants:
- Bis zu 8,5 Milliarden Dollar Unterstützung für Franchisenehmer bis 2036, davon rund 5 Milliarden bis 2030 — als Kapitalhilfe und über niedrigere Mieten. Damit sollen Restaurants umgebaut und Abläufe vereinfacht werden.
- Für das durchschnittliche US-Restaurant verspricht der Konzern daraus rund 100.000 Dollar mehr Cashflow pro Jahr, vor allem durch 2,5 Prozentpunkte Effizienzgewinn im Betrieb. Die Investition soll sich für Franchisenehmer in etwa vier Jahren rechnen.
- Die operative Marge soll bis 2030 in den unteren bis mittleren 50-Prozent-Bereich steigen, von 46,1 Prozent im Jahr 2025.
- Zusätzlich zu rund 3 Milliarden Dollar Investitionen pro Jahr sind von 2027 bis 2030 weitere 1,5 bis 2 Milliarden Dollar vorgesehen.
- Bei Hähnchen und Getränken will McDonald’s bis 2030 weltweit jeweils rund 1,5 Prozentpunkte Marktanteil hinzugewinnen.
Warum die Börse nicht überzeugt ist
Zwei Punkte erklären die Reaktion. Erstens die zeitliche Abfolge: Das Geld fließt ab sofort, die Zielmarken liegen im Jahr 2030. Wer sich eine schnelle Belebung des US-Geschäfts erhofft hatte, bekam einen Plan für die zweite Hälfte des Jahrzehnts.
Zweitens ein Satz, der in der Berichterstattung schnell die Runde machte: McDonald’s rechnet damit, dass der Kundenverkehr in wichtigen Märkten flach bleibt, solange die Inflation hoch ist. Damit macht das Unternehmen die eigene Erholung von einer Größe abhängig, die es nicht steuern kann.
Dass es ein Urteil über McDonald’s selbst war und keine Branchenbewegung, zeigt der Vergleich am selben Tag: Wendy’s gab um rund 1 Prozent nach, Yum! Brands legte um 0,4 Prozent zu, Restaurant Brands International blieb unverändert.
Die Verbindung zum Ölpreis
Dass der Rekord ausgerechnet auf den letzten Tag vor dem Krieg fiel, muss kein Zufall sein — beweisen lässt sich ein Zusammenhang aus dem Kursverlauf aber nicht. Die Kette dahinter ist jedoch dokumentiert: Der Krieg hat die Energiepreise getrieben, Diesel kostet in den USA so viel wie nie (mehr dazu), die US-Notenbank hat wegen der Inflation am 16. September erstmals seit 2023 die Zinsen erhöht, und McDonald’s selbst knüpft seine Gästezahlen an die Inflation. Wer jeden Tag mehr für Benzin und Lebensmittel ausgibt, spart häufig zuerst beim Essen außer Haus.
Ganz allein steht McDonald’s damit nicht. Seit Jahresanfang haben mehrere große Restaurantketten deutlich verloren:
| Seit 1. Januar 2026 | Veränderung |
|---|---|
| Domino’s Pizza | −29,3 % |
| McDonald’s | −22,3 % |
| Wendy’s | −19,0 % |
| Chipotle | −11,5 % |
| Yum! Brands (KFC, Taco Bell, Pizza Hut) | −7,4 % |
| Restaurant Brands (Burger King) | +5,2 % |
| Starbucks | +10,8 % |
| S&P 500 zum Vergleich | +12,6 % |
Die Branche leidet also insgesamt, McDonald’s aber stärker als die meisten Wettbewerber. Beides zusammen — ein schwieriges Umfeld und hausgemachte Fehler — erklärt den Kursverlauf besser als jeder Faktor allein.
Dividende und Bewertung
Eine Konstante gibt es: Mitte September hat McDonald’s die Quartalsdividende um 4 Prozent auf 1,93 Dollar angehoben, zum 50. Mal in Folge. Es war allerdings die kleinste Erhöhung seit 2020. Beim aktuellen Kurs ergibt das eine Dividendenrendite von 3,25 Prozent.
Gemessen an den Gewinnerwartungen der Analysten für 2026 von rund 12,87 Dollar je Aktie, die vor dem Investorentag galten, liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei etwa 18,5. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten lag zuletzt bei rund 311 Dollar, gut 30 Prozent über dem aktuellen Kurs.
Was der Optionsmarkt einpreist
Wir berechnen die Werte aus den Mittelkursen der Optionen auf die McDonald’s-Aktie:
| Verfall | 20. November | 18. Dezember |
|---|---|---|
| eingepreiste Bewegung | ± 7,6 % | ± 9,4 % |
| Chance auf über 250 $ | 30,6 % | 33,5 % |
| Chance auf über 275 $ | 7,8 % | 11,2 % |
| Chance auf unter 220 $ | 20,5 % | 25,9 % |
Das Analystenziel von rund 311 Dollar bewertet der Optionsmarkt bis Mitte Dezember mit gut 2 Prozent. Die größte Einzelposition sind trotzdem Kaufoptionen auf 300 Dollar — die Hoffnung auf eine Rückkehr zu alten Kursen ist vorhanden, nur billig. Der Verfall im November dürfte bereits die nächsten Quartalszahlen umfassen.
Aus Optionspreisen abgeleitete Wahrscheinlichkeiten sind Marktpreise mit Risikoaufschlag, keine Prognosen. Für den Verfall im Oktober fehlte zum Zeitpunkt der Auswertung ein verwertbarer Kurs für die Kaufoption am Geld; wir weisen ihn deshalb nicht aus.
Was jetzt zählt
- Die Gästezahlen in den USA: Das Management setzt im zweiten Halbjahr stärker auf bewährte Sparmenüs und vereinfachte Abläufe. Ob das wirkt, zeigen die nächsten Quartalszahlen.
- Die Inflation: McDonald’s hat sie selbst zum Maßstab gemacht. Die nächsten US-Verbraucherpreise kommen am 14. Oktober.
- Die Franchisenehmer: Der Plan funktioniert nur, wenn sie die Umbauten mittragen. Ein Standard-Umbau kostet sie nach Branchenangaben schon heute mehrere hunderttausend Dollar pro Restaurant.
Einordnung
McDonald’s ist kein Unternehmen in Schwierigkeiten: Der Umsatz wächst, der Gewinn wächst, die Dividende steigt zum 50. Mal. Aber die Aktie war zu Jahresbeginn für ein Unternehmen bewertet, das in den USA wächst — und genau dort kommen weniger Gäste. Der Investorentag hat darauf eine langfristige Antwort gegeben, aber keine kurzfristige. Solange die Inflation hoch bleibt, hängt die Erholung nach Aussage des Unternehmens selbst an einer Größe, die in Washington und am Persischen Golf entschieden wird und nicht in Chicago.
Quellen: Plan und Zielmarken des Investorentags via Reuters/Investing.com, GuruFocus und CNBC; Quartalszahlen aus der Mitteilung vom 4. August und via CNBC; Erwartungen vor dem Investorentag via Investing.com; Dividendenerhöhung und Kursreaktion via 24/7 Wall St. Kurse, Vergleichswerte, Dividendenrendite, Kurs-Gewinn-Verhältnis und die aus Optionspreisen abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten aus unseren eigenen Daten und Berechnungen, Stand 23. September 2026, 21:25 Uhr MESZ im laufenden US-Handel.
Keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Zielmarken sind Unternehmensangaben und keine Zusagen. Aus Optionspreisen abgeleitete Wahrscheinlichkeiten sind Marktpreise und keine Prognosen. Die Zuordnung von Kursbewegungen zu einzelnen Ereignissen ist eine Einordnung und kein Nachweis einer Ursache. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 23. September 2026.