Grafik: Elbit-Kurs von 700 Dollar auf einer Skala zwischen 52-Wochen-Tief, den gesenkten Banken-Kurszielen und dem 52-Wochen-Hoch von 1.014 Dollar

Das 32-Milliarden-Auftragsbuch: Elbit Systems in der Analyse

4. September 2026 · marktradar Beiträge

Der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems ist einer der großen Profiteure des europäischen Aufrüstungszyklus — und gleichzeitig ein Lehrstück dafür, dass ein glänzendes Geschäft und ein steigender Aktienkurs zwei verschiedene Dinge sind. Die Aktie notiert bei rund 700 Dollar: auf Jahressicht ein Plus von 46 %, aber zugleich 31 % unter dem 52-Wochen-Hoch von gut 1.000 Dollar. Zwischen Rekord-Auftragsbuch und Bewertungskorrektur — eine Bestandsaufnahme.

Das Geschäft läuft: die Zahlen zum zweiten Quartal

KennzahlQ2 2026Veränderung
Umsatz2,29 Mrd. $+15,9 %
Gewinn je Aktie (bereinigt)4,14 $+28 %
Operatives Ergebnis (GAAP)218,8 Mio. $+39 %
Freier Cashflow150 Mio. $Vorjahr: 71 Mio. $
Auftragsbestand32 Mrd. $+34 %

Getragen wurde das Wachstum von der Land-Sparte (+32 %, Artillerie- und Munitionssysteme), Aufklärung/elektronischer Kampfführung (+22 %) und dem US-Geschäft (+17 %); nur die Luftfahrtsparte schrumpfte um 8 %. Zu den jüngsten Abschlüssen zählen ein europäisches Programm über 1,4 Milliarden Dollar, der Raketenartillerie-Auftrag „PULS" aus Griechenland (760 Millionen) und US-Grenzschutzaufträge über 370 Millionen Dollar.

Das eigentliche Pfund: der Auftragsbestand

Die 32 Milliarden Dollar im Auftragsbuch entsprechen mehr als dem Dreifachen eines Jahresumsatzes — 73 % davon stammen von Kunden außerhalb Israels, wobei Europa den Zuwachs dominiert. Bemerkenswert ist, wie Elbit das Umsetzungsproblem angeht: Die Investitionsplanung wurde von 220 auf 300 Millionen Dollar erhöht, um Fertigungskapazität aufzubauen, und laut Finanzvorstand sind Kunden zunehmend bereit, Kapazitätserweiterungen mitzufinanzieren — ein ungewöhnliches Zeichen dafür, wie knapp Rüstungskapazität in Europa derzeit ist. Rund 42 % des Bestands sollen bis Ende 2027 abgearbeitet werden.

Was die Analysten sagen — und warum die Ziele sinken

Die frischesten Einschätzungen der großen Häuser eint ein Muster: Alle drei haben ihre Kursziele im Sommer gesenkt — nicht wegen Elbit, sondern im Zuge einer Bewertungskorrektur des gesamten Rüstungssektors. Und trotzdem liegen alle Ziele deutlich über dem Kurs:

Haus (Datum)Kurszielzuvor
BofA (26.08.)960 $1.075 $
JPMorgan (19.08.)885 $950 $
Morgan Stanley (14.07.)845 $978 $
Raymond JamesKaufen (bestätigt)—
Zur Datenlage: Kleinere Kursziel-Aggregatoren zeigen für Elbit teils deutlich niedrigere „Konsens"-Werte (um 520–550 Dollar) — diese beruhen aber auf nur zwei bis drei, teils veralteten Schätzungen von vor der Rallye. Wir stützen uns deshalb auf die datierten Einzelaktionen der großen Häuser. Es gilt, was wir bei Nokia gezeigt haben: „Konsens"-Zahlen sind nur so gut wie die Datenbasis dahinter.

Die Gegenseite: Was man kritisch sehen muss

Einordnung

Elbit Systems ist operativ in einer außergewöhnlichen Verfassung: volles Auftragsbuch mit europäischem Rückenwind, wachsende Margen, Kunden, die sogar den Kapazitätsausbau mitbezahlen. Die Aktie hat diese Stärke allerdings über weite Strecken bereits eingepreist und korrigiert seit dem Sommer die Übertreibung — die gesenkten, aber weiterhin klar über dem Kurs liegenden Bankenziele beschreiben genau diesen Zustand. Die entscheidenden Fragen für die kommenden Quartale: Gelingt es, das 34-Prozent-Auftragswachstum in mehr als 16 Prozent Umsatzwachstum zu übersetzen? Hält der europäische Beschaffungszyklus? Und bleibt der Bewertungsaufschlag gerechtfertigt, wenn der Sektor-Enthusiasmus weiter abkühlt? Wie immer gilt: Das hier ist eine Einordnung der Faktenlage — die Antwort auf die Frage „kaufen oder nicht?" muss jede Anlegerin und jeder Anleger selbst geben, auch entlang der eigenen Haltung zur Branche.

Quellen: Q2-Zahlen und Auftragsbestand via Elbit-Pressemitteilung und GuruFocus, kritische Bewertung via Seeking Alpha, Kursziel-Aktionen via CNN/TipRanks-Newsfeed, Kursdaten aus der marktradar-Kursabfrage (NASDAQ-Notierung, USD).

Keine Anlageberatung und ausdrücklich keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Kursziele sind Analystenmeinungen, keine Prognosen mit Gewähr, und unterscheiden sich je nach Quelle und Erhebungszeitpunkt erheblich. Alle Angaben Stand 4. September 2026, ohne Gewähr.